Gespräch

»Seid frech und laut!«

Der PR-berater Klaus Kocks über Israels schlechtes Image und Mittel dagegen

Aktualisiert am 04.07.2010, 19:27 – von Michael WuligerMichael Wuliger

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Israel schweigt viel.
Ja, Israel schweigt viel. Auch die Juden im Ausland schweigen viel. Aber die Devise muss lauten: reden, reden, reden. Und zwar in allen Formen, die diese Zeit zulässt: Satiren auf YouTube, relativ schrille, auch böse, pro-israelische Videos, Kommentare, die das Thema berühren. Ich glaube, dass die halben Töne, die Höflichkeiten, die vermeintlichen Rücksichtnahmen und Political Correctness alle Unsinn sind in dieser Debatte. Wir haben einen Propagandakrieg gigantischen Ausmaßes da draußen. Die Gaza-Flottille war ein gigantisches PR-Unternehmen, in der Inszenierung Greenpeace ebenbürtig. Was wir im Moment erleben, das ist die Übermacht des islamistischen, kriegstreibenden, hasstreibenden Diskurses in sehr kreativen, modernen Formen. Vom Stand der Propaganda ist das fünf Klassen besser als das, was man sonst sieht. Handwerklich richtig gut. Und das darf man nicht alleine stehen lassen.

Was setzt man dagegen?
Ich glaube, dass auf einen groben Klotz ein grober Keil muss. Und ich glaube auch, dass man auf eine bestimmte Art von entwickelter PR nur mit genauso entwickelter PR antworten kann. Da nützt es nicht, wenn Sie einen israelischen Regierungssprecher, der aussieht wie ein Schülersprecher aus Dahlem, mit einem kleinen Zettel vor eine Kamera stellen und der da sein Ding abliest, was nicht mal CNN sendet.

Die Israelis und die jüdische Diaspora müssen aus ihrer Schmollecke raus?
Ja. Und sie müssen aufhören, empfindlich zu sein. Selbstmitleid ist das allerschlechteste Medium, weil es bei den anderen eine Scheu der Kritik erzeugt, die falsch ist. Seid laut, frech, selbstbewusst, das ist meine Empfehlung. Das heißt, ich muss bereit sein zu diskutieren, auch um den Preis, dass ich einen falschen Ton treffe. Ich finde, dass man die Debatte führen muss, selbst, wenn sie erfolglos wäre. Aber sie wird nicht erfolglos sein.

Glauben Sie wirklich?
Ja. Ich weiß, dass eine gewisse Attraktivität in Vorurteilen besteht, dass in bestimmten Situationen eine gewisse Anziehungskraft im Antisemitismus besteht. Ich will mich nicht in die Debatte einmischen, wie judenfeindlich Deutschland ist oder nicht ist. Weil ich die Verharmlosungen politisch nicht möchte. Aber die Menschen werden nicht vorurteilsbeladen geboren. Man muss den deutschen Lehrer an den Ohren ziehen. Man muss den Deutschen Bundestag an den Ohren ziehen. Man muss den deutschen Journalisten an den Ohren ziehen. Wir müssen uns selbst an den Ohren ziehen und sagen: Guck da hin! Das ist keine außenpolitische Frage des Staates Israel, sondern eine staatsbürgerliche für mich. Warum mache ich mich zum Opfer eines solchen Propagandamechanismus? Warum habe ich in der Tagesschau über die Hintergründe der Gaza-Flottille nichts erfahren? Wenn ich Hamas-PR sehen will, gehe ich ins Internet, dafür schalte ich nicht die Tagesschau ein. Aber das muss gesagt werden. Wer in dieser Welt schweigt, hat unrecht.

Klaus Kocks, geboren 1952, war in der Öffentlichkeitsarbeit namhafter deutscher Unternehmen tätig, zuletzt von 1996 bis 2001 als Vorstandsmitglied des VW-Konzerns. Seit 2002 betreibt er ein eigenes Unternehmen für Kommunikationsberatung, lehrt an verschiedenen Hochschulen Strategisches Kommunikationsmanagement und schreibt als Kolumnist unter anderem regelmäßig für die Frankfurter Rundschau.

Das Gespräch führten Christian Böhme und Michael Wuliger.


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