Gespräch
»Seid frech und laut!«
Der PR-berater Klaus Kocks über Israels schlechtes Image und Mittel dagegen
01.07.2010 – von Michael Wuliger
Herr Kocks, warum hat Israel ein so miserables Image?
Ich kann das am Beispiel der Gaza-Flottille deutlich machen: Da nehme ich wahr, dass der von vielen geschätzte schwedische Krimiautor Henning Mankell auf irgend so einem Schiff sitzt und anschließend den Märtyrer spielt. Mir war nicht bekannt, wer die Gaza-Flottille organisiert hat und wer darauf war. Für mich steht Mankell stellvertretend für den selbstgefälligen schwedischen Moralisten. Der ist mir vertraut, weil ich in den 60er-Jahren Sjöwall/Wahlöö gelesen habe, Krimis von linken Kritikern der Sozialdemokratie, was meinem Herzen entsprach. In diesem Paradigma – ich nenne das jetzt die Köttbullar-Falle, nach diesen kleinen Frikadellen, die es bei Ikea gibt – muss ich annehmen, dass der Mann recht hat.
Dieses Paradigma hatten die Israelis offenbar nicht auf dem Schirm.
Nein.
Warum nicht?
Weil sie andere Sorgen haben, nämlich die der elementaren Verteidigung. Ich möchte auch nicht mein Kind in eine Schule geben, die mit Raketen von einer anderen Schule aus beschossen wird, und wenn du dann zurückschießt, bist du für die Weltöffentlichkeit ein Kindermörder. Es besteht dabei eine große Gefahr: Sie neigen angesichts einer so massiven äußeren Bedrohung dazu, den innenpolitischen Ton gegenüber ihrer politischen Klientel auch zum außenpolitischen Ton zu machen. Und der klingt dann sehr, sehr martialisch.
Und er brüskiert auch manchmal Freunde und Verbündete.
Ja, sicher. Er macht es den Freunden schwer. Verstehen Sie mich richtig: Sie werden die Bande, die Sie ins Meer treiben will, nicht mit Appeasement bezwingen. Sie können die Feindbilder Ihrer Feinde nicht verhindern. Wer meint, Sie seien unrein und ungläubig und er dürfe Sie umbringen, den werden Sie nicht überzeugen. Aber Sie müssen lernen, die Freundbilder Ihrer Freunde zu pflegen. Das muss ein Teil von Außenpolitik sein.
Im Fall Niebel etwa ging das daneben. Da kommt ein vermeintlicher Freund, der sagt: Ich möchte gerne nach Gaza rein. Und die Israelis erklären schließlich: Nein, geht leider nicht. Da ist klar, dass die Gegenseite das sofort ausnutzen kann.
Ich hätte einem solchen Kleingeist wie Herrn Niebel nicht eine solche Nummer erlaubt, wie er sie sich da hat erlauben können. Er hat sich zum nützlichen Idioten der Hamas gemacht. Aber in diese Rolle konnte er hineinschlüpfen, weil Israel es ihm möglich gemacht hat – mit nicht sehr großem Geschick.
Wie halte ich meine Freunde bei der Stange und verärgere sie nicht auch noch?
Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Auf allen Wegen. Schweigen hilft überhaupt nicht. Auch die falschen Töne, die lauten Töne, die schrillen Töne – Gruß an Henryk Broder – alle sind sie besser als Schweigen. Das Schweigen ist der Existenzboden des Ressentiments. Das Schweigen ist der Raum, in dem der andere schreit. Die Dschihad-Rufe finden in dem Schweigen der anderen statt.
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