Zionismus

Ein Herz für Herzl

Jüdische Gemeinden und ihr Verhältnis zu Israel – ein Treffen an historischem Ort

01.07.2010 – von Peter BollagPeter Bollag


Workshops Der Publikumszuspruch bei den angebotenen Vorträgen und Workshops war ebenfalls groß. »Das Thema Israel brennt den meisten eben sehr unter den Nägeln. Oft sind sie auch verunsichert, sie hören und lesen dauernd von Israel in den Medien, und sie möchten das einordnen können«, meinte dazu Rabbiner Apel. Er mache die Erfahrung in seiner Gemeinde, dass viele Mitglieder immer wieder auf den jüdischen Staat angesprochen oder sogar für dessen Verhalten verantwortlich gemacht würden – wie zuletzt etwa bei den Ereignissen um die Gaza-Flottille. »Wir möchten da eine klare Hilfestellung leisten mit der Veranstaltung«, so Apel. Allerdings grenzt er deren Ziele auch klar ein: »Es durfte kein Propaganda-Seminar werden.«

Und so waren – gerade in Bezug auf die jüngsten Ereignisse vor Gaza – in den Workshops auch durchaus kritische Töne von einzelnen Teilnehmern zu hören. Einer meinte etwa, für ihn könne die Solidarität auch übertrieben werden, wenn beispielsweise jegliches Verhalten Israels blind in Schutz genommen werde. Auch wurden die Stellungnahmen des Zentralrates und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes zu Israel und der Nahost-Politik kritisch beleuchtet. Davon abgesehen zeigten sich viele Anwesende auch sehr solidarisch mit Israel und sprachen von dem Land als einer Art »Lebensversicherung«: »Wir können gar nicht anders, als Israel zu unterstützen« – auch im Kleinen, indem man zum Beispiel israelische Produkte kauft und das möglichst auch publik macht.

Für diese Seminarteilnehmer war auch klar, dass man sich untereinander besser vernetzen möchte – sei es im Internet oder auch mit punktuellen Aktionen wie Demonstrationen für Israel, wie sie kürzlich durchgeführt wurden. Für andere sind regelmäßige Israelbesuche wichtig.

Feiern Einen weiteren Aspekt der israelischen Problematik beleuchtete Rabbiner Soussan in seinem Schiur. Ausgehend von einer – allerdings nicht besonders aktuellen – Meinungsumfrage zur religiösen Einstellung der jüdischen Israelis zeigte er, dass Aschkenasim und Sefardim unter Begriffen wie »religiös« oder »traditionell« Grundverschiedenes verstehen; gemeinsam, so Soussan, sei ihnen aber eine gewisse religiöse Grundeinstellung – anders wäre es nicht möglich, dass knapp 80 Prozent angaben, regelmäßig die Schabbatkerzen zu zünden.

Dies fand seine Entsprechung im Seminar selbst: Auf die Aufforderung von Awi Blumenfeld im Schlussworkshop, für einen Moment die Augen zu schließen und zu reflektieren, welche Assoziation den Teilnehmern zum Stichwort »Israel« zuerst einfallen würde, meinten die meisten, das sei Je- rusalem und die Klagemauer.

Schiduchim Nach dieser Abschlussveranstaltung im Hof vor der Synagoge ging es sehr locker und unverkrampft zu. Ebenso bei der großen Party, welche die Veranstalter am Moze Schabbat am Rande Basels feierten und bei der sich – bei Getränken und heißer Musik – die Kontakte vertiefen ließen. Die Rabbiner machen diesbezüglich aus der weiteren Absicht des Seminars keinen Hehl, wie zum Beispiel Rabbiner Apel: »Ziel des Seminars ist sicher auch, unseren Jugendlichen zu ermöglichen, andere Jugendliche kennen- und vielleicht auch lieben zu lernen.« Dabei fällt auch das Stichwort »Schiduchim« (Heiratsvermittlung), ein Wort, das früher bei solchen Veranstaltungen eher vermieden wurde. Anscheinend, so war bei Seminarschluss zu hören, war »Basel« da auch durchaus erfolgreich.

Die meisten der Angereisten waren entsprechend begeistert vom Gebotenen – und ebenso vom Seminarort: »Nur schade, dass wir von Basel als Stadt – abgesehen vom Jüdischen – eigentlich nichts mitbekommen haben«, meinte ein Teilnehmer aus Aachen. Denn dafür war die Zeit einfach zu knapp. Und damit ging es den Seminarteilnehmern vermutlich dann doch wieder wie den Zentralbankern, die sich am Sonntag ebenfalls aus der Rheinstadt verabschiedeten.



Anzeige

Lust auf mehr?

Gerne schicken wir Ihnen unverbindlich ein kostenfreies
Lese-Exemplar unserer aktuellen Ausgabe zu.

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Piraten

Gefahr von Rechts – welchen Kurs steuert die Piratenpartei?

Radikale an Bord

Zum Dossier

Jüdischer Staat

Kulturkampf und Geschlechtertrennung in Israel – zum Dossier

Kulturkampf und Geschlechtertrennung

Zum Dossier

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Frühling
Berlin
5°C
regenschauer
Frankfurt
4°C
wolkig
Tel Aviv
22°C
heiter
New York
18°C
wolkig
Zitat der Woche
»Da sind all die Juden, die in Hollywood keinen Erfolg hatten!«
Marlene Dietrichs Meinung über die israelische Filmindustrie, kolportiert von der »Frankfurter Allgemeinen«