Zionismus

Ein Herz für Herzl

Jüdische Gemeinden und ihr Verhältnis zu Israel – ein Treffen an historischem Ort

01.07.2010 – von Peter BollagPeter Bollag


Am Anfang war die Idee, wie schon seinerzeit bei Theodor Herzl, nämlich zum 150. Geburtstag des Zionismus-Begründers ein Seminar zu veranstalten. Und zwar sozusagen am »Tatort«, in Basel, dort, wo Herzl seine Pläne für einen jüdischen Staat zuerst verkündet hatte. Geboren wurde diese Idee spontan bei einem Treffen der Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), Yaron Nisenholz – dem potenziellen Gastgeber –, und Avichai Apel aus Dortmund. Gemeinsam mit ihren Amtskollegen Jaron Engelmayer (Köln) und Julian Chaim Soussan (Düsseldorf) machten sie sich daran, diese Idee in die Tat umzusetzen.

Motto Und so kam es, dass sich am letzten Juniwochenende nicht nur die Zentralbank-Präsidenten der Welt zur traditionellen Jahrestagung der Bank für Internationalen Zah- lungsausgleich (BIZ) in der Schweizer Grenzstadt trafen, sondern auch knapp 100 Studenten und junge Berufstätige. Unter dem Titel »Träume ich, oder ist es wahr? – Mein Israel, Dein Israel, (k)ein Israel?« diskutierten sie darüber, welche Rolle der wahr gewordene Traum Herzls, der Staat Israel, im Leben jeder und jedes einzelnen spielt. Getreu dem Motto der Gemara, dass eine Woche mit Nächten ganz ohne Träume eine »schlechte Zeit« sei.

Der Vergleich mit den BIZ-Bankern endet allerdings auch gleich wieder: Denn anders als diese waren die Seminarteilnehmer aus Deutschland und der Schweiz in den beiden Jugendherbergen der Stadt und nicht in Fünf-Sterne-Hotels untergebracht – und die Anreise erfolgte für die meisten mit dem Bus, der, in Düsseldorf startend, die Teilnehmer an verschiedenen Stationen einsammelte und entsprechend lang brauchte, bis er schließlich am Freitagabend in Basel war.

solidarität Der Begeisterung für das Seminarthema tat das allerdings bei den meisten Anwesenden keinen Abbruch. Einzig der Workshop des israelischen Publizisten Awi Blumenfeld – wie der Israelkorrespondent und Jüdische-Allgemeine-Autor Gil Yaron Gast des Seminars – in dem es darum ging, was verschiedene Rabbiner zum Zionismus sagten und schrieben. Der sei für einige Teilnehmer dann doch zu anstrengend und ermüdend gewesen, meinten sie in der Schlussbesprechung.

Keine Müdigkeit kam dagegen beim weiteren Programm auf: So nahmen fast alle an der Stadtführung durch das jüdische Basel am Schabbatnachmittag teil. Für die zeichnete der Historiker und Journalist Simon Erlanger verantwortlich – und das bei Temperaturen um die 30 Grad. »Es hat Spaß gemacht«, meinte Erlanger anschließend, »so viel motivierten Menschen beispielsweise davon zu erzählen, welche Aufnahme Herzl beim Ersten Zionistenkongress hier in der Gemeinde erfuhr und wie er seine Träume im Kongress auslebte.«



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