Hannover
Die Stille nach dem Wurf
Der Stadtteil Sahlkamp, die Gemeinde und das Zusammenleben
01.07.2010 – von Jürgen Voges
Sozialarbeiter Die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover wurde von der Attacke völlig überrascht. »Unsere Tanzgruppe ist seit Jahren auf Stadtteilfesten aufgetreten«, sagt die Vorsitzende Ingrid Wettberg. »Wir wollen ein offenes Haus sein und auch nach außen gehen«, betont sie. Noch nie habe es einen ähnlichen Angriff gegeben. Die Tat stelle eine erhebliche Bedrohung für die jüdische Gemeinschaft in Hannover dar. Städtische Sozialarbeiter dürften antisemitische Beschimpfungen nicht länger als bloße Sprüche verharmlosen, verlangt sie. Längerfristig setzt Wettberg auf Ganztagsschulen, die ein Gegengewicht zu der Erziehung in Familien der Zuwandererkinder bilden sollen und auf einen Ethikunterricht ab Klasse 1.
Weniger überrascht zeigt sich Wolfram Stender, Professor an der Fachhochschule Hannover. Der Sozialwissenschaftler hat 80 Schüler aus den hannoverschen Stadtteilen Sahlkamp, Linden-Süd und Badenstedt intensiv nach antisemitischen Vorurteilen befragt. Anlass waren besorgte Berichte von Lehrern. »Es ist unvorsichtig gewesen, die Tänzer ohne Schutz auftreten zu lassen«, sagt Stender. Seine Interviews in Hannover haben vor allem bei Jugendlichen aus arabischen Ländern, aus der Türkei und bei Russlanddeutschen antisemitische Vorurteile gezeigt. Allerdings, so Stender, seien auch deutsche Schüler nicht frei von diesen Vorurteilen.
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