Fussball

Eine Mauer namens Walter

Was den Abwehrchef von Deutschlands Viertelfinal-Gegner Argentinien so besonders macht

01.07.2010 – von Martin KraussMartin Krauss


Anfänge Doch Pekerman hatte Walter Samuel bei der 2006er-WM nicht aufgestellt. 1996, im Alter von 18 Jahren, wurde Samuel Profi, zunächst bei den Newell’s Old Boys in Rosario in der Provinz Santa Fe. Schon ein Jahr später kickte er bei den legendären Boca Juniors, dem früheren Maradona-Club. 1997, in seinem zweiten Profijahr, gewann Samuel mit der argentinischen Juniorennationalmannschaft die U-20-WM in Malaysia – sein erster großer Titel.

1999 wurde Walter Samuel erstmals in die argentinische A-Nationalmannschaft berufen, 2002 nahm er an der WM in Südkorea und Japan teil. Doch die endete für Argentinien desaströs: Der zweifache Weltmeister überstand die Vorrunde nicht. Als Vereinsspieler zog es Samuel im Jahr 2000 nach Italien, zum AS Rom, der umgerechnet 20 Millionen Euro bezahlte: für einen 22-jährigen Verteidiger auch damals eine Riesensumme. In Rom wurde aus dem Talent ein Weltklassespieler. 15.000 Spielminuten spulte er runter, 173 Spiele bestritt er für den AS Rom. Im Jahr 2001 wurde das Team mit ihm auch italienischer Meister. Zuvor, mit Boca Juniors, war er schon zweimal Meister geworden: 1998 in der Hin- und 1999 in der Rückrunde. Insgesamt hat Samuel in seiner Zeit als Profi schon acht Meisterschaften gewonnen.

Real Madrid Im Jahr 2004 wechselte er für 25 Millionen Euro vom AS Rom zu Real Madrid, einer der größten Adressen des Weltfußballs. Doch genau da, beim spanischen Spitzenklub, lief es nicht gut für Samuel: sieben Spiele in Folge verlor das Team mit ihm als Abwehrchef. Da litt sein Ruf, »el muro« bröckelte. Nach nur einem Jahr verkauften die Königlichen Samuel wieder. Es ging erneut nach Italien, diesmal zu Inter Mailand, und zwar für 16 Millionen Euro. Samuels Marktwert war gesunken, aber immer noch bemerkenswert hoch. Zumal seine Länderspielkarriere ins Stocken geriet: Die immer wechselnden Nationaltrainer Argentiniens dachten nicht an den Namen Samuel, wenn sie ihre Auswahl für Turniere zusammenstellten.

Am 23. Dezember 2007 drohte für Walter Samuel, alles vorbei zu sein: Beim Mailand-Derby zwischen Inter und AC kümmerte er sich um Kaka, den brasilianischen Superstar. Während einer Aktion verletzte er sich unglücklich, ohne dass Kaka schuld war. Das Aus drohte. Doch Samuel arbeitete sich wieder heran. José Mourinho, der portugiesische Weltklassetrainer bei Inter Mailand, vertraute »el muro« und seiner Erfahrung, und überhaupt passte ein derart flexibler und schneller Verteidiger gut in Mourinhos Defensivkonzept.

Comeback Unter Mourinho erlebte Walter Samuel seinen zweiten fußballerischen Frühling: In diesem Jahr gelang dem Team das sogenannte Triple: italienischer Pokal, italienische Meisterschaft und letztlich, im Finale gegen Bayern München, der Gewinn der Champions League. In dieser Saison ist er in der Form seines Lebens.

Wie gut und wichtig Samuel ist, merkt man daran, dass der Lokalrivale AC Mailand einen Innenverteidiger sucht und das Jobprofil so beschreibt: Es solle »der nächste Walter Samuel« sein. So prägend ist »el muro« in der Serie A. In der sehr durchwachsenen und erst im letzten Moment erfolgreichen WM-Qualifikation der argentinischen Nationalmannschaft unter Diego Maradona spielte Samuel zunächst keine Rolle: Kein einziger Einsatz wurde ihm gegönnt. Aber der Erfolg in der Champions League verhalf dem Verteidiger noch einmal zu der Ehre, im Nationaltrikot aufzulaufen.

Sein Comeback im blau-weißen Team begann mit einem Freundschaftsspiel, das Argentinien 1:0 gewann. Der Gegner damals war Deutschland.



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