Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Studie, Skepsis und Sonne

01.07.2010 – von Wladimir StruminskiWladimir Struminski


Studie
Eine Israelin, die am Arbeitsplatz sexuell belästigt wird, hat so gut wie keine Chance, den Übeltäter zur Verantwortung zu ziehen. Das glauben jedenfalls die Betroffenen selbst. Einer Studie zufolge reicht nur eines von zehn Opfern unsittlicher Anmache eine Beschwerde ein, sei es bei der Polizei, sei es beim Arbeitgeber. Dabei ist jede sechste belästigte Frau so angewidert, dass sie ihren Arbeitsplatz aufgibt. Andere bleiben nur, weil sie die Stelle unbedingt brauchen. Dass die Motivation der Opfer, sich für einen Arbeitgeber einzusetzen, der solche Zustände zulässt, nicht gerade steigt, liegt auf der Hand, scheint die Chefetagen aber nicht sonderlich zu stören. Oder aber wollen sie keine Pandorabüchse öffnen: In zwei von drei Fällen steht der Belästigende in der Unternehmens- beziehungsweise Amtshierarchie über der von ihm belästigten Frau.

skepsis

Schlechte Nachrichten für den Rechtsstaat: Nur noch knapp die Hälfte aller Israelis setzt ihr Vertrauen in den Obersten Gerichtshof, Tendenz sinkend. Die mit 56 Prozent höchste Vertrauensquote genießt das Gericht, das sich als eine Schutzbastion der liberalen Demokratie versteht, unter Juden, die weder ultraorthodox sind noch in Westbank-Siedlungen leben. Unter arabischen Israelis vertrauen 51 Prozent der Befragten dem Obersten Gericht. Dagegen unter den Westbank-Siedlern nur jeder Fünfte. Noch schlechter schneidet das säkular geprägte Gericht bei Ultraorthodoxen ab, unter denen nur jeder Elfte ihm vertraut. Viele Ultraorthodoxe sehen die Richter als Feinde der Tora und als in religiöser Hinsicht unerlaubte Konkurrenz zu einer rabbinisch geprägten Gerichtsbarkeit an.

Strecke
Acht Jahre lang war der zwischen Jerusalem und Modiin in der Westbank verlaufende Teil der Schnellstraße 443 für palästinensische Autofahrer aus Angst vor Terrorismus ge-
sperrt, wurde aber vor einigen Wochen auf Geheiß des Obersten Gerichtshofes auch für sie freigegeben. Ihrerseits tut die Armee alles, damit die Straße – sie führt auf israelischem Gebiet nach Tel Aviv weiter – für israelische Benutzer sicher bleibt. Zumindest ein prominenter Fahrgast meidet sie dennoch: Wie Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der Knesset einräumte, untersagt der Personenschutz seiner Wagenkolonne das Befahren der in den Palästinensergebieten verlaufenden Strecke – aus … richtig: Angst vor Terrorismus. Da fragt sich der verdutzte Bürger auf der (Schnell)-Straße: Ist die 443 nun sicher oder nicht?

Sonne
Für Wüstenbewohner ist die sengende Sonne in der Regel ein Feind. Für zwei Beduinensippen im Negev wird das Gestirn schon bald jedoch eine Einkommensquelle sein. Laut einem Vertrag mit der Solarfirma Arava Power werden die Beduinen-Clans nämlich an der Errichtung von drei auf ihrem Boden zu bauenden Fotovoltaik-Feldern beteiligt. Vertreter der Großfamilien brachten ihre Genugtuung über ihre Teilnahme am Aufbau der Sonnenergie und die Partnerschaft mit den Investoren zum Ausdruck. Ihrerseits sieht Arava Power in den Verträgen erst einen ersten Schritt: Um die Kooperation mit den Nachbarn auszubauen, hat sie eine besondere Abteilung für den Beduinensektor gegründet.

Sänger
Die Kette der Gesangsstars, die Israel ihre Reverenz erweisen, reißt trotz antiisraelischer Boykottaufrufe und des jüngsten Ausstiegs von Elvis Costello nicht ab. Nachdem Israel in den letzten Wochen Prominente wie Elton John und die barbadische Sängerin Rihanna – vor ihnen auch Paul McCartney, Leonard Cohen und Madonna – begrüßen durfte, versuchen jetzt gleich vier Impresarios, den nächsten Megastar ins Heilige Land zu holen: Barbra Streisand. Freilich hat Qualität ihren Preis: Einem Medienbericht zufolge wurde der Grand Dame der Unterhaltungskunst eine Gage von viereinhalb Millionen Dollar zugesagt. Die Fans können schon mal anfangen, für die Tickets zu sparen.



Anzeige

Lust auf mehr?

Gerne schicken wir Ihnen unverbindlich ein kostenfreies
Lese-Exemplar unserer aktuellen Ausgabe zu.

Anzeige

Zum Musikspecial

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Anzeige

Tu Bischwat

Tu Bischwat – Neujahr der Bäume

Neujahr der Bäume

Zum Dossier

Jüdischer Staat

Kulturkampf und Geschlechtertrennung in Israel – zum Dossier

Kulturkampf und Geschlechtertrennung

Zum Dossier

Links und Apps

Chajm Guski empfiehlt Links und Apps

Chajm Guski empfiehlt Links und Apps

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Winter
Berlin
-2°C
schneeschauer
Frankfurt
-4°C
wolkig
Tel Aviv
16°C
heiter
New York
0°C
heiter
Zitat der Woche
»Mit unser Intelligenz und dem jüdischen Reichtum
können wir Wunder vollbringen.«
Prinz Turki al-Faisal von Saudi-Arabien über die Vorteile einer Integration Israels
in den arabischen Wirtschaftsraum