Frankfurt/Main

»Solidarität mit Israel«

Linke Gruppen demonstrieren gegen die Gaza-Flottille

24.06.2010 – von Danijel MajicDanijel Majic


Eine Flagge mehr oder weniger würde derzeit keinen Unterschied machen. Die Berger Straße ist im WM-Fieber und damit einher geht die massenhafte Verzierung von Schaufenstern, Terrassen und Fenstern mit hunderten Nationalflaggen. Entsprechend wenig verwundert zeigen sich die Passanten, als am Uhrtürmchen, ungefähr auf halber Höhe der Frankfurter Einkaufsmeile, die ersten blau-weißen Fahnen auftauchen. Erst der Davidstern sorgt für Irritationen. »Israel ist doch gar nicht bei der WM dabei«, ist ab und an zu hören.

Schulterschkluss Die etwa 100 Demonstranten, die sich am vergangenen Sonntag im Frankfurter Stadtteil Bornheim sammeln, haben mit Fußball nichts am Hut. »Free Gaza« ist auf einem der mitgeführten Transparente zu lesen. Seit dem Angriff der israelischen Marine auf die »Gaza-Flotille« ein vertrauter Anblick auf deutschen Straßen. Der Zusatz »from Hamas« aber macht deutlich, dass hier nicht der Schulterschluss mit den Palästinensern gesucht wird geschweige denn mit dem Regime im Gazastreifen.

»Antisemitismus ist keine Abenteuerkreuzfahrt«, heißt es im Demonstrationsaufruf unter der Überschrift »Solidarität mit Israel«. Vertreter der Jüdischen Gemeinde Frankfurt oder anderer jüdischer Initiativen sind nicht erschienen.

Aufgerufen haben verschiedene prozionistische und linke Gruppen aus dem Rhein-Main-Gebiet. »Bei der jüdischen Gemeinde war man der Meinung, dass jetzt ein schlechter Augenblick für solche Demonstrationen wäre«, berichtet Organisator Daniel Fischer »und dass es sich hierbei um eine explizit linke Veranstaltung handle.« Vielleicht ist es auch das Label »antideutsch«, dass bei den offiziellen Vertretern für Befremden gesorgt hat. Dieser aus der radikalen Linken hervorgegangenen politische Strömung rechnen sich die meisten Unterstützer der Demonstration zu.

symbolisch Die Verletzung der Blockade unter der Führung des Schiffs »Marvi Marmara« sei von Anfang an als militante Aktion konzipiert gewesen, erklärt ein Redner. Dabei sei der Tod von neun Aktivisten bewusst einkalkuliert worden, in der Hoffnung, Israel auf diese Weise international diskreditieren zu können. »Ein symbolischer Angriff.« Fischer wird noch deutlicher, wenn er von »pazifistischer Kriegsführung« spricht, davon dass Israel »die Islamisten unterschätzt« hätte und den Zweck dieser Demonstration darin sieht, diese Taktik »zu denunzieren«.

Noch rauer wird der Ton, wenn von der deutschen Linke die Rede ist, der verschiedene Redner unter anderem »pathologischen« Hass auf Israel, Debilität und ein »Bündnis mit Dschihadisten« unterstellen. Die Demonstration zieht unter »Solidarität mit Israel«-Rufen die Berger Straße hinunter. Bis auf einige Einwürfe von Passanten bleibt es ruhig. In den Cafés wird weiter Fußball geguckt.


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