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Lasst uns reden

Ein Jugendprojekt will gegen Antisemitismus bei Migranten vorgehen

17.06.2010 – von Christine SchmittChristine Schmitt


Kiez-Rallye Nach einer Pause wechselt Boeing zum Tisch mit dem Thema Kiez-Rally. Die ist ein Projekt, beim dem Jugendliche zu einer Moschee, Kirche, Synagoge, einem Bioladen und ins Schwule Museum Kreuzberg fahren, um dort ausgewählten Personen Fragen zu stellen. An der Synagoge Fraenkelufer wurden sie von Gabbai Grigorij Kristal empfangen. »Warum steht hier die Polizei?«, wollten die Jugendlichen als erstes von ihm wissen. Das sei ein großes Thema gewesen, sagt Mitarbeiterin Giuseppi Letterie, die die Rallye vorstellt. Es sei für viele das Erste Mal, dass sie sich bewusst mit einem jüdischen Menschen unterhalten – und über die Sicherheitsvorkehrungen nachdachten.

»Man schließt sich zu sehr ab«, meint Boeing. Heute leben so viele junge Juden in Berlin, da sollte man »nicht immer in die Vergangenheit« blicken und sich auf das Holocaust-Thema beschränken. Er geht offensiv mit seinem Judentum um. Ohne Kopfbedeckung verlässt er sein Zuhause nicht. Auch schon als Lehrer hat er sie getragen und bereits damals von Schülerseite viele Anfeindungen erlebt. Aber wenn er mal eine Vertretungsstunde gab und es darin um Israel ging, dann hätten sich die Jugendlichen mit dem Thema beschäftigt. Von diesen Schülern hörte er nie wieder antisemitische Äußerungen.

Facebook »Man muss schon sehr aufpassen«, sagt Elke Gryglewski. Sie habe bei einer Elternversammlung an einem Charlottenburger Gymnasium mitbekommen, dass ein Kind auf Facebook Juden aufs Heftigste beschimpfte. »Alle Erwachsenen gingen davon aus, dass so etwas nur von einem türkischen Mitschüler kommen könne. Tatsächlich war es aber ein deutscher Junge.« Das sei dann eine andere Baustelle.



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