Perspektive

Erzählungen am Schabbatabend

In ihrem neuen Buch schildert Nea Weissberg-Bob jüdisches Leben aus Sicht eines siebenjährigen Mädchens

17.06.2010 – von Sharon AdlerSharon Adler

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Kinder- und Jugendbücher über das Judentum gibt es unzählige, und doch wird Judentum zumeist ausschließlich in Sammelbänden und Anthologien über Religionen im Allgemeinen abgehandelt. Nur wenige dieser Publikationen sind für jüdische Kinder geschrieben und in Deutschland verlegt worden. Romane und Erzählungen schließlich befassen sich fast ausnahmslos mit jüdischer Kindheit vor oder während der Schoa.

Es gibt Ausnahmen, wie zum Beispiel den Roman Mona und der alte Mann von Noemi Staszewski, der sich aus der Sicht eines christlichen Mädchens mit jüdischem Leben und Riten befasst. Auch Schabbat ha Malka – Königin der Jontefftage / Git Schabbes, Dvorale! ist so eine Ausnahme. Das Buch schildert in zeitgemäßer Sprache aus der Sicht der siebenjährigen Deborah, was jüdisches Leben ausmacht.

Dabei ist es der Herausgeberin und Autorin Nea Weissberg-Bob gemeinsam mit ihren Koautorinnen Jalda Rebling und Denise Bendrien und weiteren Beteiligten gelungen, sich neben der Beschreibung von Riten, Brachot und Speisenfolgen nicht nur darauf zu beschränken, wie jüdisches Leben funktioniert. Das Buch bietet viel mehr. Denn der Band verbindet, so die Herausgeberin in ihrem Vorwort, »die konkrete Darstellung mit persönlichen Erinnerungen, Sehnsüchten, Träumen und Wünschen«.

Familie Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Schabbat als der höchste Feiertag der Woche und um ihn herum rankt sich die »Familie«, die mit drei Generationen an einem Tisch versammelt ist. Ein lebendiges jüdisches Familienleben ist es, was hier ge-
zeichnet wird, eingebettet in die Gefühle und Betrachtungen des Mädchens Deborah, von den Familienmitgliedern liebevoll Dvorale genannt.

Deborah erlebt den Abend als etwas Selbstverständliches und Ungezwungenes, in dem doch die Feierlichkeit dieses besonderen Abends spürbar wird. Im Kreise der Anwesenden erzählen die Großeltern Geschichten aus ihrer Kindheit in Polen, in denen stets auch die Trauer um den Verlust von Familienmitgliedern und um eine verlorene Welt mitschwingt. Thematisiert wird diese Trauer nicht, aber auch das Schweigen über das Erlebte wird in dieser Erzählung zum Gegenstand der Handlung und so auch für Kinder und Jugendliche nachvollziehbar.

Deborahs Großeltern sind traditionelle Juden, denen die säkular lebenden Eltern Deborahs zur Seite gestellt sind, ein friedvolles Miteinander zeichnet den gemeinsam verbrachten Oneg Schabbat aus. Im Laufe des Abends erinnert sich Deborahs Vater Samuel auch an die Geschichte seiner eigenen Familie, und schmerzhaft wird ihm erneut bewusst, dass er als Jugendlicher auf seine Fragen nur verwirrende Antworten erhielt. Somit ist der vorliegende Band auch als ein Aufruf zu verstehen, Transparenzen zu schaffen und das Schweigen um das Unaussprechliche und das Leid zu brechen.


Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Frühling
Berlin
14°C
regenschauer
Frankfurt
14°C
wolkig
Tel Aviv
22°C
heiter
New York
16°C
regen
Zitat der Woche
»Ich habe den Führer der Ungarischen Nation,
Viktor Orbán, ersucht, mir als politisch
Verfolgtem Asyl in Ungarn zu gewähren.«
Horst Mahler, wegen Volksverhetzung verurteilter Rechtsextremist,
bevor er in Ungarn festgenommen wurde