Hautfarbe

Dunkle Schönheit

Hat Mirjam sich rassistisch über ihre Schwägerin Zippora geäußert, oder war sie neidisch?

27.05.2010 – von Chajm GuskiChajm Guski


Der große Kommentator Awraham Ibn Esra (1089–1164) meint ebenfalls, es handele sich um Zippora. »In meinen Augen ist es richtig, dass die kuschitische Frau Zippora ist, also eine Midianiterin. Und die Midianiter sind Ischmaeliten und wohnen in Zelten … und wegen der Hitze der Sonne sind sie nicht weiß, und Zippora war schwarz und glich einer kuschitischen Frau.«

Blick Heute wissen wir natürlich, dass die Hautfarbe nichts damit zu tun hat, wie lange man sich dem Sonnenlicht aussetzt. Ibn Esra geht nicht von Vererbung, sondern von äußeren Umständen aus. Manche Kommentatoren schreiben, dass »kuschitisch«, also schwarz, als Bezeichnung für die schöne Zippora verwendet wurde, um den bösen Blick, Ajin haRa, von ihr fernzuhalten. Mit anderen Worten: Schwarz bedeute zugleich, jemand sei hässlich. Ibn Esra scheint dieser Auffassung zu folgen.

Der Ba’al haTurim, Jaakov ben Ascher (1269–1343) erläutert ebenfalls in diese Richtung. Eines ist den Erklärungen gemeinsam: Sie sind aufwendig konstruiert, um irgendwie damit umgehen zu können, dass Mirjam über Mosches schwarze Frau spricht: »Haben wir nicht auch G’ttes Wort gehört, aber er heiratet eine Frau aus Kusch?«

Andere Kommentatoren sehen durchaus die Möglichkeit, dass es sich um eine weitere Frau handeln könnte, von der wir bisher noch nichts erfahren haben. Der Raschbam, Rabbi Schlomo ben Meir (1085– 1174), betont, dass Zippora Midianiterin war und es sich bei der kuschitischen Frau um eine andere handelt. Die Tosafisten Rabbejnu Jitzchak ben Jehuda HaLevi und Rabbejnu Ja’akow aus Wien ziehen in Erwägung, dass Mosche nach Zipporas Tod ein weiteres Mal geheiratet habe. Sie argumentieren, dass die Tora nach dem 2. Buch Moses 18,2 Zippora nicht mehr erwähnt.

Aussatz Kehren wir zurück zu Mirjam, die dafür bestraft wird, dass sie schlecht über Mosche redete. Es ist eine besonders anschauliche Strafe, die offenbar in Zusammenhang steht mit dem, worüber Mirjam mit Aharon sprach. Mirjam wird aus- sätzig. Die Tora beschreibt ihren Aussatz folgendermaßen: »Die Wolke wich vom Zelt, und Mirjam war vom Aussatz weiß wie Schnee« (12,10). Es ist, als solle Mirjam gezeigt werden, dass es schlecht sein kann, keine schwarze Haut zu haben.

Der Autor ist Mitglied der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen und Begründer des egalitären Minjans Etz Ami im Ruhrgebiet.



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