Interview

»Ich hätte einen öffentlichen Aufschrei erwartet!«

Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch über den Anschlag in Worms, Hass auf Jüdisches und Israelkritik

Aktualisiert am 18.05.2010, 14:28 – von Christian BöhmeChristian Böhme


Frau Knobloch, auf die Synagoge in Worms, eines der ältesten Zentren des Judentums in Deutschland, ist ein Brandanschlag verübt worden. Ein Angriff mit Symbolgehalt?
Selbstverständlich hat dieser Anschlag einen hohen Symbolgehalt. Schließlich ist die ursprüngliche Synagoge in Worms in der Reichspogromnacht von den Nazis niedergebrannt und zerstört worden. Die Tat in Worms kann also nur eines bedeuten: Wehret den Anfängen!

Von dem Anschlag hat die Öffentlichkeit anscheinend kaum Notiz genommen. Beunruhigt Sie das?
Ich hätte einen öffentlichen Aufschrei erwartet. Auch wenn Politiker wie der Ministerpräsident Kurt Beck die Tat scharf verurteilt haben, war der Anschlag eine Randnotiz in der öffentlichen Debatte.

Jetzt werden die Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen in Rheinland-Pfalz verstärkt. Zu spät?
Es ist kein Geheimnis, dass jüdische Einrichtungen von Extremisten bedroht werden. Deshalb ist es unverständlich, dass die bestehenden Schutzvorkehrungen – wenn überhaupt … bei Weitem nicht ausreichend waren.

Im Bekennerschreiben wird der Anschlag mit dem Schicksal der Palästinenser begründet. Wird der Nahostkonflikt jetzt auch auf deutschem Boden ausgetragen?
Die Authentizität des Bekennerschreibens wird noch überprüft. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wäre das alarmierend. Bereits während des Gaza-Konflikts hat sich der Hass auf alles Jüdische hier in Deutschland übermäßig geäußert. Diesem neuen Antisemitismus unter dem Deckmantel der Israelkritik gilt es, entschlossen entgegenzutreten.

Das Gespräch führte Christian Böhme.


Fotostrecken

 

Unser Blog aus Israel

Antisemitismus

Antisemitismus: Judenhass breitet sich aus

Judenhass breitet sich aus

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Rückblende

Die Geschichte der Juden in Deutschland nach der Schoa

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Social Media

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
4°C
regenschauer
Frankfurt
5°C
wolkig
Tel Aviv
16°C
regenschauer
New York
7°C
wolkig
Zitat der Woche
»Weiße Vorherrschaft, das war der alte Klan.
Dies ist der neue Klan.«
John Abarr, Sprecher des Ku-Klux-Klans, begründet, warum künftig Juden, Schwarze und
Schwule Mitglieder seines antisemitischen und rassistischen Geheimbundes werden dürfen.