Limmud
Eruw und Flip-Flops
Orthodoxe, Liberale, Jung und Alt treffen sich zum gemeinsamen Lernen
20.05.2010 – von Veronique Brüggemann
Es ist Samstagmorgen, Zeit für die Toralesung. In der Disko predigt Ismar Schorsch, ehemaliger Direktor des Jewish Theological Seminar in New York. In Haus sieben wird mit Avichai Apel orthodox gebetet, bei Rabbiner Walter Rothschild reformiert. Den heutigen Wochenabschnitt nennt er liebevoll »Ikea-Parascha«, denn es geht um den Tempelbau. Auch die Kölnerin Chaya Korotkina macht mit. »Ich bin ja sonst eher orthodox orientiert«, verrät sie und schaut noch skeptisch. »Wir machen mal einen Gemeinschaftsaufruf«, lädt Rothschild alle ein, nach vorne an die Bima zu kommen. Die eingefleischten Reformer gehen sofort, die Neulinge zögern, und am Ende traut sich auch Chaya heranzutreten.
Toleranz »Ich fand es entspannend als Workshop, aber nicht als Gebet. Es ist wichtig, auch um seine eigene Toleranz auszuprobieren und etwas Neues kennenzulernen«, sagt Chaya nachher. Im nächsten Jahr will sie wiederkommen und Freunde mitbringen. »La la lei lei, la la lei lei« kommt es aus der Disko, Jung und Alt, Religiöse und Säkulare liegen sich endlich in den Armen. Ein kleiner Junge zündet die Hawdala-Kerze, die Bar verkauft wieder Bier, und auf der Bühne startet Coolooloosh die Party. In der Ecke diskutiert Ronny Rohde mit einem amerikanischen Chabadnik im Anzug über Kleidung. »Der hat mich nachher noch mit Trainingsanzug und Flip-Flops nach Hause gebracht, das werd ich nie vergessen«, grinst er.
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