USA

Erde statt Asche

Immer mehr Menschen lassen sich nach dem Tod verbrennen. Rabbiner versuchen, diesem Trend entgegenzusteuern

12.05.2010 – von Sue FishkoffSue Fishkoff


kosten Als Hauptgrund für das wachsende Interesse an einer Kremierung führen viele Gemeindemitglieder die Kosten an. Für eine jüdische Beerdigung und ein Grab zahlt man 5.000 bis 12.000 Dollar. Eine Feuerbestattung hingegen kostet nur etwa 1.000 Dollar. Viele Rabbiner und Gemeindefunktionäre sind sich darin einig, dass die jüdische Gemeinschaft hier mehr tun muss, um die Beerdigungskosten zu senken. Manche denken darüber nach, für die Verwendung einfacher Holzsärge zu werben.

Viele jüdische Friedhöfe stecken in einem Dilemma: Sie müssen eine größere Gruppe von Juden mit unterschiedlichen religiösen Standards bedienen. Gary Webne, stellvertretender Direktor eines Friedhofsverbands in Virginia, sagt: »Regeln sind nicht in Stein gemeißelt, wir müssen moderne Bedürfnisse ernst nehmen.«

Ralph Zuckerman, geschäftsführender Direktor des Clover Hill Cemetery in Birmingham, Michigan, erinnert sich an den Tag, an dem er einem älteren Mann sagen musste, dass die Frau, mit der er 40 Jahre lang verheiratet gewesen war, nicht mit ihm begraben werden könne, weil sie nie zum Judentum konvertiert war. Die Tränen seien dem Mann über die Wangen gelaufen.

»Diejenigen Juden, die sich keiner der religiösen Strömungen zugehörig fühlen, sind die Mehrheit, und die meisten von ihnen wissen nicht, was die jüdische Tradition über den Tod sagt«, so Zuckerman. Sein Friedhof, der den Konservativen gehört, aber auch Reformjuden und Orthodoxe betreut, wird demnächst spezielle Abteilungen für Aschenurnen und »gemischte« Ehepaare einrichten. »Ich kann meinen Kopf nicht in den Sand stecken und sagen, dass es halachisch nicht korrekt ist«, so Zuckerman. »Die Entwicklung geht in diese Richtung, und wir müssen für alle Juden da sein.« Doch es sollte nicht den Friedhofdirektoren überlassen werden, derartige Entscheidungen zu treffen, fügt er hinzu.

David Zinner, geschäftsführender Direktor von Kavod v’Nichum, sieht das ähnlich. Es liege im Verantwortungsbereich der örtlichen Bestattungsvereine, ihre Gemeinden über jüdische Ansichten zu Tod, Trauer und Bestattung zu unterrichten.

Wandel »Die Ansichten verändern sich«, sagt Dan Goldblatt, Rabbiner in Danville, Kalifornien. »In einer Zeit, in der der Umweltschutz vielen am Herzen liegt und die Kaschrut-Vorschriften als ethische Kaschrut neu gedacht werden, stellt sich die Frage, was eine ethische Bestattung ist.«

Margaret Holub, Rabbinerin im kalifornischen Albion, gehört zu jenen, die eine Feuerbestattung als legitim anerkennen. »Ich sehe darin eine vernünftige Alternative«, sagt sie. »Es ist schwierig, jemandem zu sagen, er solle 8.000 Dollar für ein Begräbnis ausgeben. Ich kann verstehen, warum einige sich für etwas anderes entscheiden und ihren Toten dennoch Ehre bezeugen.«



Anzeige

Lust auf mehr?

Gerne schicken wir Ihnen unverbindlich ein kostenfreies
Lese-Exemplar unserer aktuellen Ausgabe zu.

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Piraten

Gefahr von Rechts – welchen Kurs steuert die Piratenpartei?

Radikale an Bord

Zum Dossier

Jüdischer Staat

Kulturkampf und Geschlechtertrennung in Israel – zum Dossier

Kulturkampf und Geschlechtertrennung

Zum Dossier

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Frühling
Berlin
4°C
regenschauer
Frankfurt
3°C
wolkig
Tel Aviv
18°C
heiter
New York
16°C
wolkig
Zitat der Woche
»Da sind all die Juden, die in Hollywood keinen Erfolg hatten!«
Marlene Dietrichs Meinung über die israelische Filmindustrie, kolportiert von der »Frankfurter Allgemeinen«