Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Gezüchtet, gefeiert und geschieden

12.05.2010 – von Wladimir StruminskiWladimir Struminski


Gezüchtet
Ein wirklich repräsentatives Aquarium braucht ein eigenes Korallenriff. Das glauben – rund um den Globus – viele Firmen, Hotels, Restaurants und Geschäfte oder auch vermögende Privatbürger, die ihre Besucher beeindrucken möchten. Und wo Nachfrage herrscht, lässt das Angebot nicht lange auf sich warten: Israelische Wissenschaftler haben eine besonders ergiebige Methode für die Zucht farbenprächtiger Korallen entwickelt, die jetzt im Kibbuz Na’an wirtschaftlich verwertet werden soll. Die Initiatoren hoffen, dass sich ihre Produkte auf dem internationalen Markt zum Wohl der Natur wie zu ihrem eigenen Gewinn durchsetzen werden. Allerdings bauen die künstlichen Kolonien nicht auf einheimischen Korallen aus dem Roten Meer, sondern auf Importen aus Fernost auf.

gefeiert

In Deutschland wären Fotos von einer Veranstaltung zum »Führergeburtstag« aus dem Jahre 1936 keine Sensation. Jetzt aber sind historisch wertvolle Bilder einer von der Hitlerjugend im britischen Mandatsgebiet Paläs-tina zu Hitlers Ehren ausgerichteten Feier aufgetaucht. Die Festivität fand in der deutschen Templerkolonie Waldheim statt. Die Bilder – sie zeigen unter anderem vor einer Hakenkreuzfahne strammstehende Hitlerjungen – gelangten in den Besitz eines arabischen Arztes aus dem Dorf Jehudije, wurden während des israelischen Unabhängigkeitskrieges im Jahre 1948 von einem Kämpfer der Untergrundorganisation Irgun Tzwai Leumi gefunden, der sie aber 62 Jahre in seinem Haus unbeachtet liegen ließ. Erst jetzt gab der in die Jahre gekommene Veteran die Fotos zur Veröffentlichung frei. Die Bilder, deren Authentizität von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bestätigt wurde, erinnern an die unrühmliche Zeit, in der die deutsche Bevölkerung im Heiligen Lande in Scharen zu den Nazis überlief.

Gereist
In Israel sind ausgefallene Lebensläufe keine Seltenheit, doch ist der von Miri Wang auch nach israelischen Maßstäben außergewöhnlich. Die heute 21-Jährige wurde in China geboren. Der Wendepunkt ihres Lebens kam, als ihr Vater – ein chinesischer Bürger – Anfang der 90er-Jahre einen Rabbiner aus der Ukraine traf und sich für das Judentum zu interessieren begann. Vor 17 Jahren kam der Neugierige nach Israel, trat zum Judentum über, lernte an einer Jeschiwa und holte seine Frau und seine Tochter Miri nach. Zwei weitere Töchter wurden in Israel geboren. Miri wuchs als Israelin auf, diente in der Armee und arbeitete als Chinesisch-Lehrerin. Jetzt ist sie, wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth berichtete, erstmals wieder in ihr Geburtsland gereist: Bei der Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai ist die ebenso gut Chinesisch wie Hebräisch parlierende junge Frau als Hostess am israelischen Messestand tätig.

Gebaut
Die israelische Naturschutzbehörde bietet die ihr anvertrauten Gebiete als Investitionsstandorte an – und zwar für Kraftwerke. Allerdings sollen dort nicht fossile Energieträger verbrannt, sondern Windkraft genutzt werden. Die ökologisch gerechten Elektrizitätsanlagen werden, so der Plan, der Selbstversorgung der Naturschutzgebiete dienen. Überschüsse werden gegen staatlich festgelegten Tarif ins landesweite Stromnetz eingespeist. Dabei müssen potenzielle Investoren zwei Sonderkonditionen akzeptieren: Erstens sind die Turbinen an Plätzen aufzustellen, an denen sie die Landschaft nicht verschandeln. Zweitens müssen sich Rotoren horizontal drehen, damit die Gefährdung von Vögeln minimiert wird.



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