Schawuot
Ein folgenreicher Schritt
Am Feiertag wird die Geschichte von Ruth und ihrer Konversion gelesen
12.05.2010 – von Rabbiner David Goldberg
David Jischai hatte sieben Söhne. Die Überlieferung erzählt, dass ihn wegen seiner moabitischen Großmutter Zweifel plagten, ob er wirklich zu 100 Prozent jüdisch sei. Wegen dieser Zweifel verließ er seine Ehefrau und lebte mit einer nichtjüdischen Magd zusammen. Seine Frau litt sehr darunter, denn ihr größter Wunsch war es, noch weitere Kinder zu bekommen. Die kanaanitische Magd sah ihr Leiden und sprach zu der Frau: »Komm, wir machen es so wie bei Rachel und Lea!«. Jischais Frau tauschte also – wie Jakobs Schwiegervater Rachel gegen Leah in der Hochzeitsnacht getauscht hatte – heimlich mit der Magd aus, und wurde von Jischai schwanger. Als der nach drei Monaten die Schwangerschaft seiner Frau bemerkte, dachte er, sie hätte ihn betrogen. Jischai besprach mit seinen Söhnen, dass die vermeintlich Schande nicht in die Öffentlichkeit gelangen sollte und das »uneheliche« Kind in der Familie bleiben solle. Nach der Tora wird so ein Kind als Mamser bezeichnet, aus der Gemeinde Israels ausgeschlossen und kann nicht jüdisch heiraten.
Aus diesem Grund klagt David immer über sein schweres Leben. Er war ausgestoßen aus Familie und Volk. Im 69. Psalm schreibt er: »Ein Entfremdeter bin ich meinen Brüdern geworden, und ein Unbekannter den Söhnen meiner Mutter.«
König Als G’tt den Propheten Samuel zur Familie Jischais sendet, um einen König für Israel auszuwählen, stellt der seine sieben Söhne vor. Jedoch nicht David, weil er sicher war, dass David ein uneheliches Kind ist. Doch G’tt lehnte sie alle ab. Da-raufhin erst holt er David und stellt ihn dem Propheten vor. Samuel sagt ohne Zögern, dass dieser derjenige ist, den G’tt auserwählt hat und salbt David zum König Israels. Doch Jischai und die Familie behandeln ihn weiterhin wie einen Schafhirten.
Seine Bewährungsprobe muss David im Kampf gegen Goliath bestehen. Damals half ihm G’tt, den weitaus größeren und besser bewaffneten Goliath zu besiegen. Dieser Kampf fand sozusagen zwischen Geschwistern statt, denn Goliath war der Urenkel von Orpa, der Schwester von Ruth, Ruth aber war die Urgroßmutter Davids.
In den heiligen Büchern steht, dass Davids Lohn für den Sieg über Goliath der sei, dass er zum König gewählt wurde und alle zukünftigen Könige aus seinem Geschlecht stammen, auch der Messias. Das alles ist Folge des gewissenhaften und konsequenten Übertritts von Ruth zum Judentum.
Der Autor ist Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Hof (Saale).
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