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Eklat

»Die Störung war inzeniert«

Lala Süsskind über eine gesprengte Diskussion im Centrum Judaicum

06.05.2010 – von Detlef David KauschkeDetlef David Kauschke


Lala Süsskind will mit »Schreihälsen« nicht diskutieren.

© Mike Minehan

Frau Süsskind, am Dienstag vergangener Woche kam es in der Berliner Gemeinde zum Eklat. Bei einer Diskussion über den Umgang deutscher Medien mit Erinnerungskultur, Israelkritik und Antisemitismus gab es Tumulte, taz-Chefredakteurin Ines Pohl verließ sogar das Podium. Wie bewerten Sie den Vorfall?
Ich bin überzeugt, dass es sich um eine inszenierte Störung gehandelt hat. Wir hatten von Anfang an vor, das Publikum mit einzubeziehen. Auch die israelische Autorin Iris Hefets, deren Artikel Anlass für die Diskussion war, hätte zu Wort kommen können. Doch forderten Schreihälse gleich zu Beginn, sie solle mit aufs Podium. Wir als Veranstalter wollten uns jedoch das Recht vorbehalten, die Diskussionsteilnehmer selbst auszuwählen. Daraufhin stand Frau Pohl auf und meinte, sie würde sich mit den Protestierern solidarisieren. Ich finde es schade, dass sie sich der Diskussion nicht gestellt hat.

Sie sollen mit Bezug auf Frau Hefets gesagt haben, Anti-Juden würde kein Forum geboten. Was meinten Sie damit?
Ich habe dieses Wort nicht benutzt, es wurde mir nachträglich in einer Agenturmeldung in den Mund gelegt. Diese Behauptung ist ebenso falsch wie die, dass wir Frau Hefets den Zutritt verweigert hätten. Das sind Lügen. Sie hätte sprechen können.

Die Gruppe »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« kritisiert eine einseitige Parteinahme der jüdischen Gemeinschaft für den Staat Israel. Warum ist diese Kritik unberechtigt?
Erstens, weil die jüdische Gemeinschaft nicht nur mit einer Stimme spricht. Zweitens, weil es keine einseitige Parteinahme gibt. Juden können hierzulande sehr wohl Kritik üben. Und drittens werden wir damit in eine Ecke gedrängt, in die wir nicht gehören. Das ist undifferenziert.

Also ist Kritik an Israel erlaubt?
Selbstverständlich, warum denn nicht?

In der Presseerklärung der Gemeinde zu diesem Vorfall ist die Rede vom Umgang der jüdischen Mehrheit mit »Extremisten in den eigenen Reihen«. Wann ist ein Israel-Kritiker ein Extremist?
Wenn es sich zum Beispiel um solche Schreihälse handelt. Wir sind doch nicht im Kindergarten. Wir können ruhig und sachlich miteinander diskutieren. Doch sollte man auf die Wortwahl achten und bei den Fakten bleiben. Anders als Frau Hefets, die bei einem Vortrag behauptet hat, in Israel dürften Araber nicht studieren und den Vorwurf der Apartheid erhob.

Mit der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sprach Detlef David Kauschke.

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