Berlin
Ein Kibbuznik wird Konditor
Der Israeli Aviv Koriat betreibt in der Neuköllner Pannierstraße eine Kuchenmanufaktur
15.04.2010 – von Daniel Erk
Für ein Zehntel dessen, was er zuvor als Produktdesigner verdient hatte, begann der Israeli in einem Kreuzberger Café zu arbeiten. Der Anspruch an seine Produkte aber blieb. Wenn Koriat erzählt, wie er begann, die Rezepte der Kuchen seiner Kindheit zusammenzutragen, dann spricht aus ihm noch immer der Produktdesigner. Dann redet er von Optimierung und Prototypen und von den fast 100 Käsekuchen, die er backen und probieren musste, ehe er mit dem Geschmack wirklich zufrieden war. Koriat muss lachen, wenn man ihn darauf anspricht. Überhaupt strahlt er diese beneidenswerte Gelassenheit eines Menschen aus, der weiß, dass sein Leben auf dem richtigen Weg ist.
Kundschaft Weil er sich auf die Bäckerei konzentrieren will, liefert er nicht, sondern lässt abholen. Und so kommen jeden Tag 16 Cafés nach Neukölln, um Apfel-Ingwer-Kuchen, orientalischen Orangen-Gries-Kuchen oder Käsekuchen-Nuss-Karamell-Tartes zu kaufen. Aus dem Geheimtipp am Ende der Pannierstraße ist längst eine Pilgerstätte für Kuchenliebhaber geworden. An der Wand hinter der Kaffeemaschine hängt eine kleine Postkarte, die den Kunden vermutlich nicht mehr als ein ein kurzes Schmunzeln entlockt. Auf ihr steht zu lesen: »Ein Leben ohne Kuchen ist möglich, aber sinnlos.« Für Aviv Koriat aber steckt darin in eine viel größere Weisheit.
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