Warum sich der Ewige Mosche am Berg Sinai nur von hinten zeigt
Der Abschnitt, den wir zu Chol haMoed Pessach lesen, begegnet uns innerhalb eines jüdischen Jahres gleich drei Mal. Zuerst als Bestandteil des Wochenabschnitts Ki Tissa, als Toraabschnitt für den Schabbat Chol haMoed Pessach und als Abschnitt für Chol haMoed Sukkot. Allerdings handelt in dem Text nur ein Vers direkt vom Pessachfest: »Das Fest der Mazzot sollst du beachten. Sieben Tage sollst du Mazzot essen ... zur Zeit des Frühlingsmonats …« (2. Buch Moses 34,18). Später, in Vers 25, werden Mazzot ein weiteres Mal erwähnt: »Du sollst nicht das Blut meines Schlachtopfers mit Gesäuertem opfern und das Schlachtopfer des Pessachfestes soll nicht über Nacht bleiben bis an den Morgen.«
Der Abschnitt setzt nach der Episode mit dem goldenen Kalb ein. Mosche steigt ein zweites Mal auf den Berg und kehrt mit neuen Tafeln zurück. Im Anschluss daran folgt die Mizwa, sich keine Götzenbilder zu schaffen, und nun hören wir den Aufruf, das Pessachfest zu beachten.
Wenn wir diesen Toraabschnitt lesen, liegt der gefühlte Höhepunkt des Pessachfestes mittlerweile hinter uns, nämlich der Sederabend mit der eindrucksvollen Nacherzählung des Auszugs aus Ägypten und die Errettung der Kinder Israels durch G’tt.
macht Dabei könnte man erwarten, dass nach dem goldenen Kalb G’tt dem Volk eindrucksvoll seine Macht demonstriert, sodass keinerlei Zweifel mehr bestehen, wer das Volk aus Ägypten herausgeführt hat. Doch das geschieht nicht. Der Blick liegt darauf, wie das Volk den Weg gehen soll, den G’tt vorgezeigt hat und erinnert an die Opfervorschriften.
Sogar Mosche, der mit G’tt »Panim el Panim« (von Angesicht zu Angesicht) sprach, bittet darum, Ihn sehen zu dürfen. Mosche will – und das ist eine normale menschliche Eigenschaft – sein eigenes Verständnis von G’tt vergrößern. Er möchte so viel über Ihn erfahren, wie in der kurzen Zeit nur möglich. Vielleicht ähnlich, wie es uns mit Personen geht, die wir gern haben: Wir wollen alles über sie wissen.
Ein anderer Aspekt ist Sicherheit. Die Kinder Israels wollen sie. Bevor Mosche sie ihnen geben soll, will er selbst einen Moment der Sicherheit und des tiefen Verständnisses erfahren.
Kennen Sie das Konzept der Objektpermanenz des Schweizer Entwicklungspsychologen Jean Piaget? Es bezeichnet das, was uns heute scheinbar instinktiv bekannt ist: das Wissen darum, dass ein Gegenstand weiter existiert, auch wenn wir ihn nicht sehen können.
Zeigt man einem Säugling einen Gegenstand und versteckt ihn hinter dem Rücken, dann existiert dieser für ihn nicht mehr. Jean Piaget erklärte, dass kleine Kinder dieses Wissen erst im Alter von etwa acht Monaten erwerben. Danach weiß das Kind, dass der Gegenstand noch existiert, auch wenn er nicht zu sehen ist.