Heiligtümer
Ton, Steine, Erben
Warum Israel die Gräber in Hebron und Bethlehem als jüdisches Kulturgut beansprucht
11.03.2010 – von Rafael Seligmann
Auf Initiative Netanjahus hat die Regierung vor Kurzem beschlossen, gut hundert religiöse und geschichtliche Stätten der Juden in Zion als Kulturdenkmäler zu registrieren und auszubauen. Es versteht sich, dass neben Tel Chai und dem alten Israel-Museum in Tel Aviv, wo David Ben Gurion am 14. Mai 1948 den Staat Israel ausrief, auch Glaubensorte wie das Patriarchengrab in Hebron und die letzte Ruhestätte Rahels zu dieser Liste gehören. Dies wiederum empfinden palästinensische Nationalisten, vor allem aber die Anhänger der fundamentalistischen Hamas und anderer Bewegungen, als eine jüdisch-zionistische Anmaßung. Die radikalen Palästinenser wollen die Emotionen für eine neue Intifada ausnutzen. Sie können dabei mit der gr0ßen Unterstützung durch die Araber rechnen.
Massaker Hier stehen religiöse Ansprüche gegeneinander, die nicht durch einen Gebietskompromiss beigelegt werden können. Dies wissen Hamas, Fatah, aber auch Anhänger der jüdischen Siedlungsbewegung. Einer von ihnen, der aus Amerika stammende Arzt Baruch Goldstein, ermordete 1994 29 Palästinenser am Patriarchengrab, ehe er selbst massakriert wurde.
Da kein religiöser Kompromiss möglich ist, wird man auf politische Vernunft und Pragmatismus setzen müssen. Und auf Toleranz. Israel hat zumindest demonstriert, dass unter seiner Herrschaft alle Glaubensgruppen Zugang zu ihren heiligen Stätten haben. Dies war und ist unter arabischer Herrschaft nicht gegeben. So war den Juden zwischen 1948 und 1967 der Zugang zu ihren heiligen Orten, selbst der Klagemauer, untersagt. Meine Familie durfte das Grab unseres Großvaters Isaak Raphael Seligmann auf dem Ölberg nicht besuchen. Es wurde zerstört. So wie wir warten fast alle Israelis auf eine Haltung der Toleranz, auf ein Abschwören vom gewaltsamen Widerstand, ehe man zu weiteren Kompromissen bereit ist. Setzt sich der gegenseitige Respekt durch, werden alle die Möglichkeit haben, ihre Heiligtümer zu besuchen. Dann gibt es auch eine Chance für den Frieden. Aber nur dann. Und nicht, wenn man dies im Weißen Haus beschließt.
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