geschichte
Der besondere Kick
1969 spielte erstmals ein deutscher Fußballklub in Israel. Nun gibt es einen Film über dieses historische Match
11.03.2010 – von Torsten Haselbauer
Listig »Der Sport war vor den Diplomaten da«, sagt der Kölner Historiker Manfred Lämmer in dem Film. Dabei hatte es der deutsche Fußball in den 60er-Jahren kaum leichter als die deutsche Politik, in Israel Fuß zu fassen. Ein früherer Spieler von Bayern Hof, der jüdische Unternehmer Oskar Weissmann, machte dem Präsidenten Franz Anders den Vorschlag, es doch einfach mit Israel zu versuchen. Anders, dessen Großmutter Paula Jakoby 1941 die letzte lebende Jüdin der Stadt Hof war und die Schoa überlebte, gefiel die Idee.
Er ersann eine List und schickte gleichzeitig einen Brief an den israelischen Fußballverband und einen an das Bundesministerium des Inneren. Den Israelis schrieb der gewitzte Fußballfunktionär, dass die geplante Reise vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) unterstützt werde. Dem Innenministerium versicherte Anders, dass eine Einladung aus Israel vorliege; was fehle, sei lediglich die finanzielle Unterstützung.
Der Plan ging auf: Am 5. Juli 1969 setzte sich das Team von Bayern Hof in eine El-Al-Maschine von München nach Tel Aviv. Im Gepäck eine Einladung des israelischen Fußballverbandes für zwei Freundschaftsspiele. Die gut gefüllte Reisekasse spendierte das deutsche Innenministerium.
gefühle »Sie waren echte Pioniere, und wir wussten überhaupt nicht, wie wir mit denen umgehen sollten«, erinnert sich der Hapoel-Petah-Tikwa-Spieler Schimon Harusch in Gemeinhardts Film. »Vielleicht hatten sie sogar Eltern oder Großeltern, die in der SS oder Wehrmacht waren«, schildert der Fußballer seine Gefühlslage vor dem ersten Aufeinandertreffen seiner israelischen mit der deutschen Mannschaft.
Gemeinhardts Film – warum der Titel 08397B lautet, will der Regisseur nicht vorab verraten – schildert eindrucksvoll, wie höchst unterschiedlich die Interessenlagen der Fußballer im Juli 1969 sind. Auf der einen Seite stehen die deutschen Kicker aus Bayern, die sich als »unpolitisch« verstehen, ihren Saisonabschluss unbeschwert genießen wollen und für die Israel ein mehr oder weniger normales Reiseland ist. Nur 24 Jahre nach Befreiung der Konzentrationslager haben die Kicker nicht viel mehr im Sinn als Fußball und Strand.
ängste Auf der anderen Seite die Israelis. Die Fußballer und auch Schiedsrichter Abraham Klein zermartern sich schon Tage vor dem Anpfiff das Hirn: Wie soll man den Deutschen in diesen »Freundschaftsspielen« gegenübertreten. Mordechai Spiegler, damals Israels Spitzenspieler und extra ausgeliehen vom Erstligisten Maccabi Netanya, schildert in dem Film genau, welch große emotionale Anstrengung ihn das Match gegen Hof kostete – abseits des Platzes.
Waren es am Ende aber vielleicht doch nur zwei Fußballspiele in einer anderen Zeit? Nein, denn sie wirken bis heute. Am Ende des Films wird noch einmal Mordechai Spiegler gezeigt. Er legt da fast zärtlich einen Bayern-Hof-Fanschal über seine und Anders’ Schultern. »Ist es nicht wunderbar, wie wir damals gegeneinander Fußball gespielt haben und 40 Jahre später wieder hier als Freunde zusammensitzen?«, fragt Spiegler. Dann will der Israeli noch etwas von Franz Anders wissen: »Wunderbar, so heißt es doch auf Deutsch, oder?« »Ja, das sagt man so. Wunderbar!«, antwortet Anders.
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