Integration

»Was haben wir falsch gemacht?«

Vor allem ältere Zuwanderer finden nicht in die Gemeinden – ein Seminar

11.03.2010 – von Teresa StelzerTeresa Stelzer


»Einzelne, bekannt gewordene Zuwanderer sind doch schon positive Beispiele«, greift Olaf Glöckner ein. Der Zuwanderungsexperte betont, dass es sich bei den Zuwanderern um zwei Generationen handele. »Die erste hat den Kopf nicht für Gemeindearbeit frei, denn sie hat mit typischen Migrationkonflikten zu kämpfen«, erklärt er.

Minderheit Grigori Pantijelew stimmt zu. In Bremen vertritt er seine Gemeinde neuerdings im Rat für Integration, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Nora Goldenbogen, Vorsitzende der Dresdner Gemeinde, denkt noch weiter: »Zukünftig wird sich der besondere Status, den wir seit der Schoa tragen, verlieren. Wir werden nur eine unter vielen Minderheiten sein.« Das würde sich auch in den staatlichen Förderungen widerspiegeln, von denen die jüdischen Gemeinden abhängig sind. Dazu gäbe es keine Alternative. Besonders das Gros der ersten Zuwanderergeneration hat kein Geld. Für die zweite Generation gibt Olaf Glöckner schon eine bessere Prognose. Sie sei integriert, hervorragend gebildet und fasse in mittelständischen Berufen Fuß. »Die Frage ist, wie weit sie sich dann ins Gemeindeleben einbringen wollen«, so der Wissenschaftler. Nora Goldenbogen aus Dresden ist zuversichtlich: »Wenn die Gemeinden einen guten Grundstein gelegt haben, kommen sie spätestens nach Ausbildung und Familiengründung wieder.«

Ruth Röcher möchte 2010 eine jüdische Kindergartengruppe initiieren, denn eine gute Jugendarbeit hat sie sich schon selbst empfohlen. Ob das Seminar alle Teilnehmer also wirklich inspiriert hat? Für die rund 60 Zuhörer war es zumindest eine geballte Ladung an Information.



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