Nordamerika

Bund ohne Gott

Vor allem bei jungen Leuten erleben säkulare Gemeinden ein Comeback

04.02.2010 – von Sue FishkoffSue Fishkoff


Gemäß der Studie sind jüngere Juden säkularer als ihre Eltern. Sie sind es überwiegend, die sich in Scharen bei den neuen kulturellen Formen, in denen jüdische Identität Ausdruck findet, einfinden: Filmfeste, Musikkonzerte, Jiddischkurse. Der kleine, aber engagierte Kern jüdischer Säkularisten des Landes profitiert davon. Es werden zwar nicht mehr, doch ihre Organisationen schrumpfen auch nicht. Sowohl der Congress of Secular Jewish Organizations als auch die Society for Humanistic Judaism geben an, genauso viele Gemeinden zu vertreten wie vor zehn Jahren.

Shoshana Seid-Green nahm gemeinsam mit ihrer Schwester Ya’el, ihrer Mutter Debby Seid, ihrer Großmutter Ethel Seid und den Tanten Ruthy Seid und Rabbi Judith Seid, allesamt weltliche jüdische Aktivistinnen, an der Westküstenkonferenz teil. »Es gab keine Zeit, in der ich mich nicht engagiert habe«, sagt Shoshana, die, wie andere junge Leute auf der Konferenz, an ihrem College eine säkulare jüdische Organisation ins Leben gerufen hat.
Großmutter Ethel wuchs wie die meisten weltlichen Juden der ersten Generation in Amerika bei Eltern auf, die Labour-Zionisten waren. Sie besuchte sozialistisch orientierte Schulen und Sommerlager, wo Jiddisch gesprochen wurde. Sie erzog Judy, Ruthy und Debby im Sinne eines weltlichen Judentums, mit einer starken Bindung an jüdische Kultur, Geschichte und ethische Werte, doch ohne Religion.

Im Laufe der Jahre hat sich die strikte Einstellung gegenüber religiösen Bräuchen gelockert, zumindest gegenüber solchen, die eine kulturelle oder historische Verbindung haben. Judith, eine von zehn Rabbinern, die nicht religiös sind und vom Institute for Secular Humanistic Judiasm ordiniert wurden, erzählt, wie ihr Mann und sie nach der Hochzeit eine Menora kauften. Die erste Reaktion ihrer Großmutter sei gewesen: »Was ist denn mit dir los? Bist du religiös geworden?«

Säkulare Haggadah Auch Wendy Berenson Garcia wuchs in einem säkularen Elternhaus auf. Ihre Mutter, eine bekennende Atheistin, schrieb eine säkulare Pessach-Haggada, die jedweden Bezug auf Gott vermeidet. Von der Mutter, die aus Nazideutschland floh, hat sie eine starke jüdische Identität geerbt.



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