Beziehungen
Jude sucht Jüdin
Wie man in Deutschland einen passenden Partner findet
04.02.2010 – von Danijel Majic
identität Matrilinearität ist das Stichwort. Da das Judentum nur über die Mutter an die Kinder weitergegeben wird, scheinen vor allem die jungen Männer besonderen Wert auf eine jüdische Partnerin zu legen. Der Druck wächst. Allenthalben ist vom »Verlust der jüdischen Identität« die Rede. Die Hauptschuldigen sind ausgemacht: Mischehen und zunehmende Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft. »Insofern glaube ich nicht, dass Frauen die Partnerwahl viel entspannter sehen«, betont Shaul Friberg, Rabbiner an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg.
Als Seelsorger betreut er dort seit fast zwei Jahren rund 200 Studenten, ist Ansprechpartner bei religiösen und emotionalen Konflikten. »Das Thema Partnerschaft wird aber so gut wie nie an mich herangetragen«, und das obwohl sich auch an der Hochschule, das eine oder andere Pärchen zusammenfindet. »Ich bekomme natürlich mit, dass das ein großes Thema ist.«
»Heirat?«, fragt Uli Ettinger. »Wenn man älter wird, wird man sich damit natürlich auseinandersetzen müssen.« Der 19-Jährige, der als Betreuer im Düsseldorfer Siegfried-Klein-Jugendzentrum arbeitet, kann das Thema Liebe nach eigener Aussage »relativ entspannt angehen«, seine Freundin ist Jüdin. Vor zweieinhalb Jahren haben sie sich kennengelernt – auf einem Machane, wie könnte es anders sein. »Das wir beide jüdisch sind, erleichtert vieles«, meint Ettinger, »aber wäre sie Nichtjüdin und wir hätten uns verliebt, wäre eine Beziehung für mich trotzdem vorstellbar gewesen.«
Ein Weg, der für seinen älteren Kollegen aus Köln, Benjamin Vamosi, wohl nicht gangbar wäre, selbst wenn seine Partnerin konvertieren würde. »Ich sehe Übertritte, die durch den Partner motiviert sind, kritisch. Spätestens bei den religiösen Inhalten stößt man auf Probleme. Das sehen viele im Vorfeld nicht.«
netzwerke Natürlich sei das bei den 14- bis 17-Jährigen, die er im Moment betreut, noch kein Thema. »Die haben das noch nicht mal im Hinterkopf. Für uns Studenten ist das ganz anders.« Auch im Studium bieten sich wieder Möglichkeiten, andere Menschen kennenzulernen. Jüdische Studiengruppen, Hochschulgemeinden, Feten mit Freunden. Allerdings mit einem zunehmend ernsten Hintergrund: Heirat. »Im Freundeskreis spekulieren wir schon drüber, wer wohl der erste sein wird.«
Für die Jugendlichen geht es am 20. Februar erst einmal um die beste Performance, den besten Song und ums Kennenlernen »Daher ist es wichtig, dass wir solche bundesweiten Treffen anbieten«, bekräftigt Benjamin Vamosi. »Jüdische Liebe ist zu einem großen Teil Networking.«
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