Beziehungen

Jude sucht Jüdin

Wie man in Deutschland einen passenden Partner findet

04.02.2010 – von Danijel MajicDanijel Majic


Benjamin Vamosi hat alle Hände voll zu tun. Für den 25 Jahre alten Leiter des Jugendzentrums »Jachad« in Köln wird der Februar aller Wahrscheinlichkeit nach der stressigste Monat des Jahres. Am 20. Februar wird Köln den Jewrovisions Contest ausrichten. »Das will erst mal organisiert sein«, sagt Vamosi, in dessen Stimme eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität mitschwingt. »Da kommen einige hundert Jugendliche aus dem ganzen Bundesgebiet.«

Jedes Jugendzentrum wird zu diesem Datum mit Unterstützung anreisen, einem eigenen Betreuerstab und Fans. Alle kommen in Köln zusammen, eine riesige Ansammlung jüdischer Jugendlicher und junger Erwachsener, im Alter zwischen 14 und 25. »Eine gute Gelegenheit sich kennenzulernen«, glaubt Vamosi. Die Bands und Tanzgruppen werden wieder mal ihr Bestes geben. Auf der Bühne wird wohl oft von Liebe die Rede sein. Im Publikum wahrscheinlich auch.

Traumvorstellung Für jüdische Jugendliche alles andere als ein einfaches Thema, nicht nur weil in einem bestimmten Alter eben die Hormone verrückt spielen. Die Idealvorstellung ist überall die gleiche. »Irgendwann, irgendwo, läuft mir der Traummann/die Traumfrau ganz unverhofft über den Weg.« Das mit dem »über-den-Weg-Laufen« aber ist für jüdische Jugendliche nicht ganz so einfach, zumindest nicht, wenn sie darauf Wert legen, dass auch ihr Partner jüdisch ist. Fisch und Fahrrad, Topf und Deckel, das Zueinanderfinden gestaltet sich oft schwer. Vor allem in kleinen Gemeinden, in denen die Auswahl nicht so groß ist. Insbesondere für junge Männer, denn an denen herrscht meistens ein wenig Überschuss. Entsprechend großer Beliebtheit erfreuen sich alle Veranstaltungen, bei denen Jugendliche aus der ganzen Republik zusammenkommen.

heiratsmarkt Der Jugendkongress der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWSt), Ferienfreizeiten (Machanot) in den Sommermonaten oder eben die Jewrovision. »Heiratsmärkte«, seien das zwar nicht, glaubt Vamosi. »Aber hier sieht man sich zum ersten Mal, lernt sich kennen und später trifft man sich vielleicht wieder.«

»One machane can change everything – Eine Machane kann alles ändern«, heißt es auf den Internetseiten der ZWSt. Die Sommerfreizeiten in Israel und Italien erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Auch wenn der Werbespruch nicht unbedingt auf die Partnersuche gemünzt ist, kommen sich nicht wenige Jugendliche hier zum ersten Mal näher. Auch Vamosi hat seine Freundin hier kennengelernt – mit 15. Fünf Jahre später trafen sie sich bei einer anderen Veranstaltung wieder und es funkte. Für Vamosi damals ein echter Glücksfall. »Ich lege angesichts der jüdischen Tradition sehr viel Wert darauf, dass meine Partnerin Jüdin ist.«



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