Schweiz
Grüezi und Schalom
Die Stadt Basel, ein jüdischer Verein und eine Stiftung betreiben ein gemischt religiöses Altersheim
04.02.2010 – von Peter Bollag
Lange Diskussionen gab es über die Frage, ob in der Weihnachtszeit ein Christbaum im Eingang stehen darf. Inzwischen hat man einen Kompromiss gefunden: Der Baum wird in einem Nebenraum der Eingangshalle aufgestellt. Auch bei den Öffnungszeiten des Restaurants einigte man sich friedlich: Am Schabbat und an jüdischen Feiertagen bleibt es geschlossen, aber in einem Seitenraum wird eine Art Alternativ-Kaffeehaus aufrechterhalten.
treffpunkt Es ist auch schon passiert, dass in der Synagoge des Altersheims ein Schabbat- oder Feiertagsgottesdienst gehalten wurde und zur selben Zeit ein Pfarrer genau gegenüber seine Schäflein zur Messe einlud. In die Quere gekommen sind sich die beiden Religionsgemeinschaften bisher aber nicht. Problematischer ist es allerdings, wenn im Holbeinhof eine Barmizwa, Verlobungsfeier oder ein anderer Empfang von Gemeindemitgliedern stattfindet – was ziemlich häufig vorkommt, denn das Heim ist auch ein Treffpunkt von Mitgliedern der Basler Israelitischen Gemeinde. Dann müssen die Bewohner, die gerne in der Eingangshalle sitzen, für einige Stunden ein anderes Plätzchen finden.
Heimleiter Hoffmann, der zwar selbst jüdisch ist, achtet darauf, sich konfessionell völlig neutral zu verhalten. »Ich bin für beide Seiten da«, sagt er, »ich muss ja schließlich Heimleiter aller Bewohner sein.«
Weil ein jüdischer Haushalt wegen der koscheren Lebensmittel teurer ist als ein christlicher, hat der Holbeinhof getrennte Kassen. Der jüdische Teil wird von einem Verein betrieben, der entsprechend eine Defizitgarantie gibt. Die nichtjüdische Seite decken die Stiftung Bürgerspital und die Stadt Basel ab. Den Bewohnern kann dies jedoch egal sein – je nach Pflegestufe zahlen alle den gleichen Tagessatz.
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