Millionenklage
Saras Seelenschmerz
Der Skandal um die Ehefrau des Premierministers weitet sich aus
04.02.2010 – von Sabine Brandes
Verteidigung Währenddessen verteidigt Benjamin Netanjahu seine Ehefrau, wie etwa beim offiziellen Besuch in Deutschland, als er sagte, man solle seine Familie aus der Öffentlichkeit heraushalten und damit aufhören, Sara anzugreifen. Schließlich habe sie ihn zu einem sensibleren Menschen gemacht. Die ehemalige Angestellte Peretz beschreibt das Verhalten ihr gegenüber jedoch als alles andere als feinfühlig. Sie berichtet von wiederholten verbalen Atta-cken und diverser anderer schlechter Behandlung im Haus der Familie, wo sie sechs Jahre lang arbeitete. Zuerst schien das Verhältnis in Ordnung zu sein, doch zusehends, so die 44-Jährige, entwickelte sich die Chefin zur Despotin, »rief um zwei Uhr nachts an, wenn ein Kissen nicht korrekt gefaltet war, oder schrie laut herum, war ein Schnitzel nicht dünn genug«. Um den Hygienevorstellungen in der noblen Villa zu entsprechen, habe Peretz viermal am Tag duschen und ihre Kleidung wechseln müssen.
All das habe die Mutter von vier Kindern in eine schwere Depression getrieben. In ihrer Klage verlangt Peretz umgerechnet mehr als 55.000 Euro Schmerzensgeld so-
wie nicht gezahlte Löhne und Sozialabgaben. Mittlerweile bekommt die Frau angeblich wiederholt Anrufe mit Morddrohungen, wobei der anonyme Anrufer sage: »Es ist von Bibi«. Der Premierminister ließ sofort eine Erklärung herausgeben, dass er nichts mit diesen Telefonanrufen zu tun habe. Zwischenzeitlich hat eine zweite Hausangestellte der Netanjahus Klage eingereicht. Die Polizei erließ jedoch eine Pressesperre, sodass bislang keine weiteren Details bekannt sind.
Schlagzeilen Es ist nicht das erste Mal, dass Sara Netanjahu in der Öffentlichkeit unangenehm auffällt. Bereits während der ersten Amtszeit ihres Mannes machte sie Schlagzeilen mit exorbitant hohen Friseurrechnungen auf Staatskosten und Eingriffen in die Amtshandlungen des Premiers. Auch ihre wiederholten verbalen Entgleisungen und öffentlichen Eifersuchtsszenen kamen nicht wirklich gut beim Wähler an. Politische Berater hatten daher vor der Wahl im letzten Jahr geraten, dass sich Frau Netanjahu dieses Mal besser im Hintergrund halten solle. Was sie, so gut es geht, auch tut. Die ehemalige Stewardess, und mittlerweile Psychologin, scheint sich – aller Unkenrufe zum Trotz – in ihrer Rolle an der Seite des Ministerpräsidenten pudelwohl zu fühlen. Soll sie doch in ihrem Heim in Caesarea des Öfteren ausrufen: »Dies ist mein wunderschönes Haus, und ich bin die Mutter des Staates Israel«.
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