Tu Bischwat
Wurzeln des Lebens
Im Film »Avatar« werden Bäume verehrt. Und was tun wir in der Realität?
28.01.2010 – von Edmon J. Rodman
Gefühle Bäume spenden Hoffnung – wie der uralte Kastanienbaum, der Anne Frank in dem Versteck, in dem sich die Familie vor den Nazis verbarg, ein wenig Glück spendete. In ihrem Tagebuch schreibt sie unter dem Datum 13. Mai 1944 zum letzten Mal über den Baum: »Unser Kastanienbaum steht von unten bis oben in voller Blüte und ist viel schöner als im vergangenen Jahr.«
Der Baum ist jetzt krank und bedarf spezieller Pflege, doch seine Nachfahren, Schösslinge, sollen in die ganze Welt verschickt werden, an mehr als 200 Schulen und Gedenkstätten, darunter elf Orte in den Vereinigten Staaten, die sich laut einem Artikel in der New York Times »mit den Folgen der Intoleranz« beschäftigten.
Bäume fördern Verständnis und Freundschaft zwischen Nachbarn. Meine Eltern hatten hinter ihrem Haus in Anaheim in Kalifornien einen Feigenbaum im Garten. In den 90er-Jahren zogen immer mehr libanesische und palästinensische Familien in die Nachbarschaft.
Die libanesische Familie, die gegenüber meinen Eltern eingezogen war, hatte ihren eigenen Feigenbaum gepflanzt. Als mein Vater Murray letztes Jahr verstarb, fand ich heraus, dass er und der Nachbar ein wunderbares Verhältnis gehabt hatten. Sie tauschten zur Erntezeit Obst und Familienneuigkeiten aus.
Bäume schenken uns ein Gespür für die Zeit und einen Hauch von Ewigkeit. Irgendwo in den White Mountains in der Nähe von Bishop, Kalifornien, lebt ein Baum mit dem Namen Methuselah. Die Borstenkiefer wurde nach dem ältesten lebenden Menschen in der Bibel benannt und gehört zu den ältesten lebenden Dingen auf der Erde. In den 50er-Jahren entnahm der staatliche Forstdienst Methuselah eine Probe, und die Experten schätzten sein Alter auf 4.789 Jahre. Er wuchs lange vor der Zeit von Moses.
Ich habe die Borstenkiefern in einem Jahr besucht. Sie waren knorrig, krumm, uralt. Wenn etwas so lange leben kann, können auch unsere Traditionen und Erinnerungen lange Zeit überdauern.
Liebe Wir lieben unsere Bäume. Wir sitzen nicht im Schneidersitz um sie herum und beten sie an wie in »Avatar«. Dennoch existiert eine Verbindung, eine Beziehung mit unseren Erinnerungen und mit unserer Humanität.
Am diesjährigen Tu Bischwat können Sie sich Ihre eigenen Spezialeffekte schaffen – ganz ohne Raumschiff und 3-D-Brille: Nehmen Sie eine Schaufel in die Hand, graben Sie ein Loch und pflanzen Sie irgendetwas, das in die Zukunft wachsen wird.
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