Tu Bischwat

Wurzeln des Lebens

Im Film »Avatar« werden Bäume verehrt. Und was tun wir in der Realität?

28.01.2010 – von Edmon J. RodmanEdmon J. Rodman


Wollen wir Tu Bischwat dieses Jahr auf einem fremden Mond namens Pandora feiern? Warum nicht? Schließlich wissen alle, die »Avatar«, den 3-D-Film, der bereits über eine Milliarde Dollar eingespielt hat, gesehen haben, dass auf Pandora Bäume verehrt werden.

In dem Film beten bläuliche Menschen, die Navi, Bäume an. Hier auf der Erde wird das jüdische Volk, das den einen oder anderen eigenen Nawi (hebr.: Prophet) vorzuweisen hat, am 30. Januar Tu Bischwat feiern, das Neujahr der Bäume. In Liedern und in Sederfeiern bringen auch Juden eine Art von Liebe zu den Bäumen zum Ausdruck. Warum? Bäume bedeuten eine Verpflichtung. Einen Baum zu pflanzen, ist erst der Anfang einer langjährigen Beziehung. Ist das nicht eine Art von Liebe?

Der Feiertag ist für jüdische Umweltschützer zu einem jährlichen Anlass geworden, den Schutz der Bäume und der Umwelt zum Thema zu machen. Doch auch schon bevor die Angst vor steigenden Meeresspiegeln die Menschen umtrieb, hat es eine handfeste, erdverbundene Liebe zu Bäumen gegeben. Gehört die Baumliebe zu unseren Wurzeln, wie die Newiim Teil unserer Überlieferung sind?

Tradition Zedern aus Libanon dienten als Baumaterial für die Errichtung des Tempels. Für die täglich in ihm dargebrachten Opfer wurde ein steter Nachschub an Holz benötigt. Sowohl Reichtum als auch militärische Macht hingen in der Eisenzeit von der Holzkohle ab, mit deren Hilfe Silber geschmolzen wurde und Waffen geschmiedet wurden.

In der Tora gibt es ein Gesetz, das die Zerstörung von Bäumen sogar in Kriegszeiten verbietet (5. Buch Moses 20,19). Die Liebesverse in Schir Haschirim, dem Hohelied, verwenden Baummetaphern für das junge Liebespaar: »Ein Apfelbaum unter Waldbäumen ist mein Geliebter unter den Burschen. In seinem Schatten begehre ich zu sitzen ...« (2,3). Überraschend ist das nicht, sind wir doch ein Volk, dessen Standardmetapher für die Tora, für höchstes Wissen und Leben »Etz Chajim« lautet: Baum des Lebens.

Vor zwei Jahren versuchte ich meine Nachbarn zu überzeugen, einer von der Stadt subventionierten Organisation zu erlauben, an der Straße vor ihren Häusern Bäume zu pflanzen. Obwohl viele sich über den Baum vor ihrer Tür freuten, gab es andere, die Bäumen gegenüber eher zwiespältige Gefühle hegten.

Einige der Einwände: Bäume müssen gewässert werden, ihre Zweige blockieren die Aussicht und ihre Wurzeln blockieren den Abwasserkanal. Blätter und Blüten verkleben die Autos mit ihrem Saft. Außerdem müssen Bäume gestutzt und beschnitten, bei Sturm überwacht und vor Krankheit geschützt werden. Und genau wie in »Avatar« sehen emsige Stadtplaner in ihnen nichts als ein Hindernis.

Warum dann diese Liebesaffäre? Bäume machen viel Arbeit. Was geben sie uns dafür? Schatten, Obst, Verbundenheit mit einem Ort, saubere Luft: Darüber wissen wir alle Bescheid. Moderne dänische Möbel, Schabbatkerzenhalter aus Olivenholz aus Israel: Auch das kennen wir.



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