Fernsehen
Alles auf Süßstoff
Die ARD versucht sich an einer »jüdischen« Herz-Schmerz-Schmonzette
28.01.2010 – von René Martens
exoten Die ARD preist den Film als »interkulturelle Love Story« an; die Zeitschrift TV Spielfilm trompetet dieselbe Botschaft noch ein bisschen schriller in die Welt: Der Film entführe »den Zuschauer in die gleichermaßen fremde wie faszinierende Welt der Juden im Deutschland der Gegenwart«. Ganz abgesehen von den hanebüchenen Drehbuchideen und allerlei handwerklichen Makeln (die Filmemacher sind nicht einmal in der Lage, die Verliebtheit der Protagonisten in Szene zu setzen): Jüdische Deutsche werden in diesem Film so gezeigt, wie es die Mehrheit der Bundesbürger wohl am liebsten hat – als Fremde. Deutsche Juden erscheinen als Exoten, die gojimfeindlich, also ein bisschen rassistisch sind, aber durchaus auch lernfähig (schließlich braucht der Film ein Happy End) und letztlich irgendwie liebenswert schrullig. In einem Kinofilm wie Alles auf Zucker – der ein breites Publikum erreicht und zahlreiche Preise gewonnen hat – kommen deutsche Juden als normale Bürger vor. In einer öffentlich- rechtlichen Fernsehproduktion scheint das immer noch nicht möglich zu sein.
»So ein Schlamassel«, Das Erste, Freitag, 29. Januar, 20.15 Uhr
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