ansichtssache

Drei Leinwände für eine Kontroverse

Ein Abend mit Claude Lanzmann und seinem Film »Warum Israel« in Hamburg

21.01.2010 – von Frank KeilFrank Keil


23.00 Uhr. Auf der Bühne steht jetzt ein Sofa. Unter großem Applaus setzt sich Claude Lanzmann. »Ich mag diesen Film noch immer sehr gerne«, sagt er. Erzählt, wie ahnungslos er anfangs gewesen sei: »Die Gründung des Staates Israel 1948, das habe ich damals gar nicht mitbekommen.« Berichtet, wie er 1952 zum ersten Mal in Israel war, um eine Artikelserie über das Land zu schreiben. Was nicht ging – mit ein paar Zeitungszeilen den jungen Staat mit all seinen Widersprüchen und Problemen zu illustrieren. Deshalb der Film. Manchmal erzählt Lanzmann Passagen des eben Gesehenen ausführlich nach. Der Moderator traut sich nicht, ihn zu unterbrechen. Die ersten Besucher erheben sich leise.

23.50 Uhr Klaus Theweleit übernimmt das Mikrofon. Er soll mit Lanzmann diskutieren. Dessen Idee über das Stillstehen der Zeit, während sie doch stetig voranschreitet, fasziniere ihn. Doch der Kulturkritiker wechselt erst mal in einen Vortrag über die verschiedenen Montagetechniken, die es beim Dokumentarfilm so gibt. Das kann jetzt dauern! Fährt nicht ohnehin die letzte S-Bahn?



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