Ausstellung

»Konsequente Säuberung«

Die Verfolgung von städtischen Bediensteten zwischen 1933 und 1945

21.01.2010 – von Alice LanzkeAlice Lanzke


Einzelschicksale Hertha Block gehört zu den unbekannteren der von Christian Dirks gesammelten Schicksale. Doch genau darum ging es den Ausstellungsmachern. »Wir wollten keine Gesamtschau machen, sondern exemplarisch einige Einzelschicksale vorstellen«, erklärt Dirks. »Die Arbeit hat gezeigt, dass hier noch unendlich viel Forschung möglich ist«, ergänzt Hermann Simon, Direktor des Centrum Judaicums. In ihrer jetzigen Form besteht die Schau aus acht beidseitig bespielbaren, über zwei Meter langen Tafeln, die elf Schicksale vorstellen. Sie ist dabei speziell für die Hängung in Foyers gedacht. »Es ist ja durchaus denkbar, dass städtische Betriebe, aktuelle oder ehemalige, wie etwa die frühere Bewag, auch Interesse an dem Thema haben«, so Dirks. »Gerade bei den städtischen Betrieben gibt es überall große Lücken«, setzt Simon hinzu.

Ausstellungsidee Aus genau solch einer Lücke ist die Idee für die Ausstellung entstanden. Im November 2008 enthüllte Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) eine Gedenktafel zur Erinnerung an das Schicksal damaliger Mitarbeiter der Stadt. »In seiner Ansprache meinte er, man wisse nicht genau, wie viele das damals betraf«, erinnert sich Hermann Simon. »Daraufhin habe ich ihm gesagt, dass wir da gerne helfen würden.« Körting habe sich beim Wort nehmen lassen und die Entwicklung der Ausstellung mit viel persönlichem Engagement begleitet. »Das war eine schöne Erfahrung«, bilanziert der Direktor des Centrum Judaicums. Es sei auch Körtings persönlicher Wunsch gewesen »... auf dem Dienstweg« zunächst den heutigen Bediensteten zu zeigen. Bis auf den Eröffnungstag ist die Ausstellung daher erst mal nicht öffentlich – erst ab Anfang Februar wird sie durch verschiedene Berliner Institutionen wandern.

Bei der Auswahl der gezeigten Einzelschicksale haben sich die Ausstellungsmacher bewusst für einen Querschnitt entschieden: Jüdische wie nichtjüdische Verfolgte, Männer wie Frauen, Beamte wie Arbeiter. Sie alle haben gemein, dass ihr bisheriges Leben und das ihrer Familien oft mit ein paar nüchternen Worten ein Ende fand. »Der Direktor des Strandbades Wannsee, Clajus, wird von seinen Dienstgeschäften entbunden und bis zur Lösung seines Vertragsverhältnisses, die sofort zu veranlassen ist, beurlaubt«, lautet etwa die Verfügung des damaligen Oberbürgermeisters Sahm. Der beliebte Sozialdemokrat Hermann Clajus hatte das Strandbad zu einem Publikumsmagneten gemacht, doch sein Erfolg schützte ihn nicht vor der Verfolgung. Er wusste, was ihm drohte: Wenige Stunden vor seiner Verhaftung durch die SA nahm er sich in seinem Dienstzimmer das Leben.

Hertha Block dagegen überlebt die Säuberungsaktion der Nazis. Nach der Befreiung fängt sie umgehend in ihrem alten Beruf an – und arbeitet bis zu ihrer Pensionierung 1972 in »ihrer« Bücherei.


Die Ausstellung »... auf dem Dienstweg. Die Verfolgung von Beamten, Angestellten und Arbeitern der Stadt Berlin 1933 bis 1945« ist vom 3. bis zum 26. Februar im Foyer der Berliner Wasserbetriebe und vom 1. bis zum 31. März im Foyer des Rathauses Charlottenburg zu sehen.



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