Themenabend

Chassidisches Blumenkind

Über das Leben von Rabbiner Shlomo Carlebach sel. A.

21.01.2010 – von Miryam GümbelMiryam Gümbel


Am 14. Januar wäre Shlomo Carlebach sel. A. 85 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat das Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde zu einem Abend eingeladen, der diesem 1925 in Berlin geborenen Rabbiner gewidmet war. Der deutsch-amerikanische orthodoxe Rabbiner, der vor allem als Komponist und Sänger von religiösem Folkrock bekannt wurde, starb am 20. Oktober 1994. Die Per- sönlichkeit Carlebachs wurde in seiner Musik, im Film und in ganz persönlichen Berichten von Menschen skizziert, die ihm begegnet waren. So wurde gleich in den Begrüßungsworten von Vizepräsident Marian Offman die Begeisterung seiner Generation wach, die sich in den 60er- und 70er- Jahren an der Musik von Bob Dylan und Joan Baez und eben auch an der von Rabbi Shlomo Carlebach zeigte.

Lehre Zunächst führte der Religionslehrer und Leiter des religiösen Erziehungswesens der IKG, Marcus Schroll, in das Leben und Wirken von Rabbiner Shlomo Carlebach ein. Zwar hat er ihn persönlich nicht mehr erlebt, doch seine Schriften gehören für Schroll zum festen Bestandteil im Unterricht. Shlomo Carlebach entstammt einer bekannten deutschen Rabbinerfamilie. Sein Vater war Rabbiner an der Synagoge Passauer Straße. Er folgte 1931 einem Ruf als Oberrabbiner nach Baden bei Wien, von wo aus die Familie nach dem Anschluss Österreichs nach New York emigrieren konnte. Bereits 1940 gründete er dort die Carlebach Schul, die Rabbi Shlomo Carlebach nach dem Tod des Vaters von 1967 bis 1980 führte. Shlomo Carlebach hatte an verschiedenen Jeschiwot vor allem in New York studiert und fühlte sich besonders dem Chassidismus und den Lubawitschern verbunden. Neben dem Wort war es besonders die Musik, die eine herausragende Rolle in seinem Leben spielte. Mit den Folkmusik-Legenden Bob Dylan und Joan Baez war er bereits 1963 bei einem Festival in San Francisco aufgetreten. Die Musik war für ihn ein wichtiges Element, mit der Carlebach Zugang auch zu den jungen Menschen fand, die sich vom Judentum entfernt hatten. »Die Offenbarung der Tora bedeutet nicht, dass Gott nur einmal mit uns gesprochen hat, sondern dass Gott immer mit uns spricht. Wenn jemand sagt, ich weiß nicht, was ich tun soll, dann heißt das, er hat keine Ohren. Gott sagt uns immer, was wir tun sollen«, zitierte Schroll den Rabbiner, der durch seine Musik weit über die jüdische Welt hinaus bekannt wurde. Doch die Musik alleine war es nicht, mit der Carlebach die Herzen der Menschen eroberte.

Der Münchner Künstler Gershom von Schwarze, der lange in Israel gelebt hat, berichtete von der Batmizwa seiner Tochter. Der große seelische Schmerz einer Lebenskrise, an der das junge Mädchen zu dieser Zeit intensiv litt, war wie weggeblasen, als Rabbi Shlomo damals das Haus betreten hatte. Das war nicht nur bei seiner Tochter so. Das Charisma Carlebachs habe auf viele Menschen, auch auf ihn selbst, immer positiv ausgestrahlt. Damit und mit seiner Musik gelang es dem Sänger und Komponisten von israelischen, chassidischen und amerikanischen Songs auch seiner Aufgabe als Rabbiner in ganz besonderer Weise gerecht zu werden. Von Schwar- ze erzählte, dass es Carlebach ganz besonders um die jüdischen Mittelklasse-Kinder ging, die gerade in den 60er- und 70er-Jahren ihren Weg in anderen religiösen Richtungen und Traditionen suchten. Diese Kinder wollte er zurückholen in das Judentum.



Anzeige

Lust auf mehr?

Gerne schicken wir Ihnen unverbindlich ein kostenfreies
Lese-Exemplar unserer aktuellen Ausgabe zu.

Anzeige

Zum Musikspecial

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Anzeige

Tu Bischwat

Tu Bischwat – Neujahr der Bäume

Neujahr der Bäume

Zum Dossier

Jüdischer Staat

Kulturkampf und Geschlechtertrennung in Israel – zum Dossier

Kulturkampf und Geschlechtertrennung

Zum Dossier

Links und Apps

Chajm Guski empfiehlt Links und Apps

Chajm Guski empfiehlt Links und Apps

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Winter
Berlin
-12°C
heiter
Frankfurt
-5°C
heiter
Tel Aviv
9°C
regenschauer
New York
2°C
wolkig
Zitat der Woche
»Mit unser Intelligenz und dem jüdischen Reichtum
können wir Wunder vollbringen.«
Prinz Turki al-Faisal von Saudi-Arabien über die Vorteile einer Integration Israels
in den arabischen Wirtschaftsraum