Hamburg

Kochkurs und kleine Klassen

Eltern informierten sich beim Tag der offenen Tür über die Carlebach-Schule

21.01.2010 – von Moritz PiehlerMoritz Piehler


An den neuen Rechnern spielen gerade ein paar Kinder mit freudigem Kreischen ein Belohnungsspiel, das in einem Lernprogramm integriert ist. Nina Kolberg berichtet, dass sie sich für die Joseph-Carlebach-Schule entschieden hätte, weil es eine offene, tolle Schule sei, wo sich ihr Kind wohlfühlen kann. »Für uns war das Jüdische sehr spannend, uns gefiel an der jüdischen Erziehung das Grundprinzip, dass man Kindern keine Angst machen darf.« Angst scheinen die Kinder hier tatsächlich nicht zu haben, die durch die Flure flitzen oder mit ihren Lehrern Malbögen ausfüllen. Bewegung gehört zum Alltag der Schule: »Da wird schon mal der Flur zu einem Hockeyfeld umfunktioniert«, sagt Rektor Hibbeler, der sich im Sommer in den Ruhestand verabschieden wird. Für ihn sucht die Schule einen Nachfolger mit jüdischem Hintergrund.

schulküche Am Eingang der Schule stutzt eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter, als sie die Sicherheitsschleuse betreten und ihre Taschen leeren müssen. Die Sicherheitsvorkehrungen erschrecken viele potenzielle Bewerber. Die Kinder hingegen gewöhnten sich sehr schnell daran, sagt Alexander Topaz, Elternratsvorsitzender. »Für die Kinder gehört der Umgang mit den Wachleuten einfach dazu. Es sind eher die Eltern, die sich Sorgen machen.« Zudem seien nur wegen des Tages der offenen Tür gesonderte Kontrollen notwendig.

Rektor Hibbeler zählt im Elterngespräch die Vorteile der Sicherheitsmaßnahmen auf: »Zum einen können keine unbekannten Personen auf das Gelände kommen und es kann auch kein Kind unbemerkt die Schule verlassen.«
Weitere Besonderheiten bedürfen etwas näherer Erklärung. Zum Beispiel, dass die Kinder keine eigenen Lebensmittel mit in die Schule bringen dürfen. Die Schulküche versorgt die Kinder zum Frühstück, Mittag- und Nachmittagsimbiss mit koscheren Speisen. Das gilt auch für Geburtstagskuchen. Aber die Essregelung hat nicht nur einen religiösen Hintergrund. »Wir wollen den Kindern hier auch eine Esskultur vermitteln«, sagt Hibbeler. Über ihre Kinder lernen auf diese Weise auch die Eltern viel über jüdisches Leben. Einmal im Monat kommen sie beim Elterntreff zusammen, besprechen Probleme und organisieren Feste. Seit Neuestem gibt es eine Freundesgruppe zur Förderung der Schule, wie Alexander Topaz stolz berichtet.

Auf sie habe die Schule einen sehr guten Eindruck gemacht, sagt Anja Romeikat zum Abschluss. Und auch Nimue wirkt sehr zufrieden mit ihrem hebräischen Namensschriftzug in der Hand, als die Familie durch die Sicherheitsschleuse in den Winternachmittag entlassen wird.



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