Hamburg
Kochkurs und kleine Klassen
Eltern informierten sich beim Tag der offenen Tür über die Carlebach-Schule
21.01.2010 – von Moritz Piehler
Stolz hält Nimue einen Pappbogen mit aufgeklebten Buchstaben hoch. Eben hat das fünfjährige Mädchen ihr erstes Wort auf Hebräisch zu Papier gebracht. Die Stunden davor hat sie gespielt und geschrieben, gemalt und die Räume der Joseph-Carlebach-Schule im Hamburger Grindelviertel erkundet. Ihre Eltern sind zum Tag der offenen Tür gekommen, um sich die Ganztagsschule genauer anzuschauen.
Es ist bisher die dritte Schule, die sich ihre Mutter Anja Romeikat anguckt, eine moderate Zahl für Hamburger Verhältnisse, wo Eltern oft sieben, acht Schulen besuchen, bevor sie sich entscheiden. »Wir haben in der Zeitung über die Schule gelesen und da sie in unserer Nachbarschaft liegt, wollten wir sie gerne kennenlernen.« Romeikats sind keine jüdische Familie und wussten zunächst gar nicht, dass die Schule allen Kindern offen steht.
»Etwa 30 Prozent der Kinder haben keinen jüdischen Hintergrund«, erzählt Nina Kolberg vom Elternbeirat, deren Sohn David die zweite Klasse besucht. Gerade dieses Miteinander mache die Idee der Schule aus, findet Ruben Herzberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hamburg. »Darum geht es hier, eine anspruchsvolle und schöne Schule zu haben, die den Kindern ein Zuhause ist und in der sie einen gemeinsamen Blick auf die Welt bekommen.«
Ganztagsbetreuung Ein Konzept, das auch die Familie Romeikat überzeugt. »Ich habe mich direkt wohlgefühlt, als wir in die Schule kamen. Es ist ja auch ein sehr schönes Gebäude« erzählt Frau Romeikat im Elterngespräch mit Schuldirektor Heinz Hibbeler. Die Schule liegt in der Tat im historischen Talmud-Tora-Gebäude im Grindelviertel, in der sie in den Jahren 1911 bis 1939 schon einmal beheimatet war. 2007 wurde sie dort als Ganztagsschule wiedereröffnet. Ihre Schülerzahlen steigen seitdem stetig an. Waren es im ersten Jahrgang noch zwölf Kinder, sind es mittlerweile fast 60 in den Klassen eins bis drei und in der Vorschule.
Dennoch sind gerade die kleinen Klassen ein starkes Argument für viele Eltern. Dass es zum Lernangebot der Schule gehört, sich individuell auf Bedürfnisse und Talente der Kinder einzustellen, wird erst dadurch möglich. In den nächsten Jahren soll die Schule bis zur sechsten Klasse erweitert werden.
jahrgangsübergreifend Das Konzept der Schule ist klar definiert, zu den inhaltlichen Vorgaben der Schulbehörde kommen gleichermaßen jüdische Inhalte wie Religionsunterricht und Hebräisch. Gelernt wird jahrgangsübergreifend, mit einer stetigen »Mischung aus Anspannung und Entspannung«, wie Ruben Herzberg berichtet, selbst Leiter eines staatlichen Hamburger Ganztags-Gymnasiums. Jeder Tag startet mit einem Gebet und einem sogenannten offenen Beginn, bevor es an die Schulfächer geht. Dazu kommen Angebote wie die Computer AG, in der die Kinder den Umgang mit dem Internet lernen und eigene Multimedia-Projekte erstellen. Im vergangenen Halbjahr entstand so ein Trickfilm, bei dem die Kinder von Kamera bis Schnitt alles selbst produzierten.
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