USA

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Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Barack Obama sind Amerikas Juden ernüchtert

21.01.2010 – von Eva C. SchweitzerEva C. Schweitzer


Israel ist natürlich die wichtigste Frage, die amerikanische Juden bewegt. Steht Obama, fragen sich viele, treu zu dem Verbündeten? Der Präsident tritt für die Zwei-Staaten-Lösung ein und gegen neue Siedlungen, vor allem in Ost-Jerusalem. Deshalb wurde er von der israelischen Rechten von Anfang an kritisch beäugt. Obama übe auf die Palästinenser weniger Druck aus als auf Israel, meinen viele. Konservative Israelis beschimpften Obamas Berater Emanuel und Axelrod gar als »selbsthassende Juden«.

Allerdings sind viele liberale amerikanische Juden mit der konservativen Regierung Benjamin Netanjahus auch nicht gerade glücklich. Mit Obama hat sich eine linke Israellobby in Washington konsolidiert: J-Street, gegründet von zwei Demokraten, MJ Rosenberg und Jeremy Ben-Amy. Die wollen Einfluss gewinnen neben den alteingesessenen Lobbyisten von AIPAC, das jedoch über sehr viel mehr Mittel verfügt als die liberale Alternative. Viele sagen, J-Street sei auch deshalb dringend nötig, weil mit der Wahl von Ronald S. Lauder zum Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses die letzte liberale Bastion des amerikanischen Judentums von einem Republikaner übernommen worden sei.

iran Auch, dass Obama gegenüber Teheran nicht hart genug sei, ist eine oft gehörte Kritik. Tatsächlich haben die Dialogangebote des eloquenten Präsidenten bisher nicht gefruchtet. Ein Krieg gegen den Iran wäre allerdings sehr unpopulär. Außerdem hat die Opposition im Iran auch unter amerikanischen Juden Sympathisanten. Viele hoffen, dass sich die Atombombe erledigt hat, wenn sich die Bürgerrechtsbewegung durchsetzt.

Die eigentliche Umwälzung durch Obama findet nicht in der Außenpolitik statt, sondern darin, was ein afroamerikanischer Präsident für den Zusammenhalt des Landes bedeutet. Obamas Präsidentschaft hat schwarze Künstler, Politiker und Aktivisten ermuntert, die Öffentlichkeit zu suchen, und das gilt auch für jüdische Schwarze, die immerhin zwei Prozent der rund acht Millionen Juden Amerikas stellen. Die meisten davon sind Immigranten aus Äthiopien, einige aber auch Abkömmlinge schwarzer Sklavinnen und weißer jüdischer Sklavenhalter.

Deren sichtbarstes Zeichen ist Rabbi Capers Funnye, »Obamas Rabbi«, wie er genannt wird. Funnye ist Amerikas einziger schwarzer Rabbiner, er leitet die Beth Shalom B’nai Zaken Ethiopian Hebrew Congregation in Chicago, die dem Reformjudentum angehört. »Früher wurde ich von weißen Juden ignoriert«, sagte er der New York Times. Mit Obamas Inauguration durfte er als erster schwarzer Rabbi in der Stephen Wise Synagoge an Manhattans Upper West Side predigen. Kein Wunder: Michelle Obama ist seine Cousine.



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