USA

Klimawandel

Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Barack Obama sind Amerikas Juden ernüchtert

21.01.2010 – von Eva C. SchweitzerEva C. Schweitzer


Als Barack Obama vor einem Jahr vereidigt wurde, galt der neue Präsident als Hoffnungsträger. Heute fragen sich viele, ob er die hochgesteckten Erwartungen jemals erfüllen wird. Das gilt auch für viele Juden, die den demokratischen Präsidentschaftskandidaten mit solider Mehrheit gewählt haben. Denn Obama konnte, je nach Umfrage, zwischen 74 und 77 Prozent der jüdischen Stimmen auf sich vereinen. Mehr Sympathien hatte nur Hillary Clinton. Hingegen schaffte es der Republikaner John McCain nicht, substanzielle jüdische Wählerzahlen zu erreichen, obwohl der langjährige Senator Joe Lieberman, ein orthodoxer Jude, für ihn Wahlkampf machte.

Das ist kein Wunder: Traditionell wählen amerikanische Juden eher demokratisch, und von den 13 jüdischen Senatoren gehören elf den Demokraten an (die übrigen beiden sind parteilos). Obama selbst hat mehrere prominente jüdische Berater, vornehmlich David Axelrod und Rahm Emanuel, seinen Stabschef, der im ersten Golfkrieg in der israelischen Armee kämpfte. Deshalb hat er noch heute viele Fans in der jüdischen Gemeinde Amerikas. »Obama hat weltweit die Luft von Antiamerikanismus gereinigt«, schrieb Leslie Gelb, New York-Times-Journalist und früherer Präsident des Council on Foreign Relations.

abgekühlt Obama gibt sich Mühe, seiner »Fan Base« durch Gesten verbunden zu bleiben. So grüßte er die Juden in aller Welt an Chanukka auf Hebräisch. Aber generell ist die Begeisterung der Amerikaner ein wenig abgekühlt. Nur noch 53 Prozent Zustimmung hat der Präsident insgesamt, 15 Prozent weniger als bei seinem Amtsantritt. Denn Gesten reichen den meisten Menschen nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit ist unverändert hoch bei zehn Prozent, die Selbstbedienungsmentalität der mit Steuergeldern geretteten Wall Street verärgert viele. Und bei der Gesundheitsreform – ein Wahlversprechen, das vielen Juden, vor allem älteren Menschen, die in Florida oder in Kalifornien leben, sehr wichtig ist – blieb es bisher bei einem Kompromiss, der niemanden wirklich zufrieden stellt.

Guantanamo ist noch offen – gegen Proteste von Bürgerrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und der American Civil Liberties Union (ACLU), die viele jüdische Mitglieder haben –, US-Truppen stehen nach wie vor im Irak und in Afghanistan, und Obama will sogar noch mehr Soldaten nach Afghanistan schicken. Vermutlich wird sich der Krieg im Mittleren Osten noch ausweiten, nach Pakistan und in den Jemen, auch der Iran steht auf der Tagesordnung. Allgemein herrscht Skepsis, ob der Präsident dafür stark genug ist. Es blieb nicht unbemerkt, dass Obamas Versuche, die Türkei im jüngsten Streit zum Einlenken gegenüber Israel zu bewegen, fruchtlos blieben.



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