Archäologie
Anspruch aus Amman
Jordanien will die Schriftrollen vom Toten Meer ausgehändigt bekommen
21.01.2010 – von Ulrich Sahm
Die jordansche Regierung fordert von der UNESCO, die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer ausgehändigt zu bekommen. Diese 2.000 Jahre alten Abschriften von Bibeltexten, Gebeten und Texten der messianisch ausgerichteten sogenannten Essenersekte in Hebräisch, Griechisch und Aramäisch zählen zu den bedeutendsten archäologischen Kulturobjekten der Menschheit. Jordanien behauptet, einen Besitzanspruch auf diese einzigartigen jüdischen Schriftstücke beweisen könnten. Israel habe sich die Rollen 1967 bei der Eroberung von Ostjerusalem widerrechtlich angeeignet.
Agenturberichte zitieren Rafea Harahsheh, den Leiter der Altertumsbehörde Jordaniens, ohne zu erwähnen, wann sich Jordanien in dieser Angelegenheit an die UNESCO gewandt hat. Jordanien habe versucht, einige Tote-Meer-Rollen ausgehändigt zu bekommen, die der Staat Israel zwecks einer Ausstellung nach Toronto in Kanada geschickt hatte.
Rechtslage »Wir bemühen uns, unsere gestohlenen Antiquitäten erstattet zu bekommen, darunter auch die Tote-Meer-Rollen. Der Diebstahl unserer Altertümer verletzt internationale Verträge und die Ethik«, wird Harahsheh zitiert.
Die Rechtslage ist in der Tat verzwickt und hat in der Vergangenheit schon zu internationalen Skandalen geführt, zumal es Verschwörungstheorien rund um diese Rollen gibt. Einige Texte würden vom Vatikan geheim gehalten, so Richard Leigh und Michael Baigent, die Autoren eines Buches mit dem Titel Verschlusssache Jesus. Deren Veröffentlichung könnten die Grundfesten des christlichen Glaubens und besonders der katholischen Kirche erschüttern. Seriöse Wissenschaftler halten das für »lächerlich«, zumal inzwischen alle bekannten Dokumente veröffentlicht seien.
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