Diplomatie

Verrechnet

Eine vermeintliche Ehrenrettung hat zu einem politischen Eklat in den israelisch-türkischen Beziehungen geführt. Wie konnte es dazu kommen?

21.01.2010 – von Sabine BrandesSabine Brandes


Politik Kenner der politischen Szene gehen davon aus, dass Ayalon Lieberman beerben will, sollte der wegen der andauernden Ermittlungen um Korruption seinen Hut nehmen müssen. »Mit dieser Aktion aber ist er politisch tot«, munkelt man innerhalb seiner Partei, der rechtsgerichteten »Israel Beiteinu«. Zwar entschuldigte sich Ayalon mittlerweile zweimal, und die Türkei nahm an, doch der Schaden ist da. Mittlerweile trat der Vize im Außenministerium sogar nach: Sollte die Serie, die inzwischen abgesetzt ist, wieder gesendet werden, könnte es sein, dass der Botschafter ausgewiesen werde.

Reaktion Von einem »Fehler eines Mannes, nicht einer gesamten Nation«, sprach Staatspräsident Schimon Peres. Besonders hinter den Kulissen bemüht man sich darum, die Risse in der Beziehung zu kitten: Eine Gruppe von 17 Knessetmitglieder verfasste einen Entschuldigungsbrief an den politischen Verbündeten. Unter der Oberfläche jedoch scheinen die Gefühle, hüben wie drüben, tief verletzt.

Industrie- und Handelsminister Benjamin Ben-Eliezer ist vom Verhalten Ayalons entsetzt. »Respekt gegenüber Israel wird nicht dadurch erzeugt, dass man einen Botschafter beleidigt. So etwas bringt lediglich Schaden«, sagte er im Armeeradio. Ben-Eliezer hat seine Art, mit Unstimmigkeiten umzugehen: »Als ich mich mit den Türken traf, habe ich ihnen gesagt, was zu sagen ist – privat.« Israel hätte genug Probleme mit der moslemischen Welt und muss sich nicht zudem mit einem Staat anlegen, in dem 72 Millionen Muslime leben.

Auch er zieht die Strippen ohne Publikum: Daniel Zemet, Vizepräsident des Israelisch-Türkischen Geschäfts- und Handelsrates, spricht oft mit türkischen Partnern, auch über die aktuelle Krise. Er erklärt, lenkt ein. »Doch es wird wohl nicht mehr so werden, wie es einmal war. Leider.« Zemet betont die lange Freundschaft der Staaten, die bereits in osmanischer Zeit begann. »Auf einmal aber haben wir das Gefühl, betrogen zu werden. Fast wie von einem Liebhaber.« Er ist der Meinung, dass die wiederkehrenden harschen Worte Erdogans die Israelis zutiefst irritieren. »Es ist klar, dass sich Erdogan an Syrien und den Iran annähert, und damit geht diese Verbindung mit Israel so nicht mehr. Das ist die neue Realität.«

Er hofft, dass der positive Ausgang der Visite von Verteidigungsminister Ehud Barak die Versöhnung einläutet. Denn Israel sei praktisch, wenn es um Politik geht. »Wir wollen, dass die Beziehungen wieder in Ordnung sind«, resümiert der Handelsexperte. »Hoffen wir, dass es nur ein Zwist zwischen zwei Liebenden war und das Verhältnis nicht gänzlich endet.«



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