jemen

Rettung unerwünscht

Israelische und US-Organisationen wollen die letzten Juden ausfliegen. Doch diese weigern sich

14.01.2010 – von Martin GehlenMartin Gehlen


Ähnlich denken auch die meisten Juden im 70 Kilometer entfernten Raydah, obwohl Einschüchterungen durch muslimische Jugendbanden, Angriffe mit Steinen und Brandflaschen auf ihre Häuser, schließlich der Mord an dem Familienvater Moshe Yaish al-Nahari im Dezember 2008 und jetzt der offene Krieg die kleine Gemeinde zunehmend zermürbten. In den vergangenen sechs Monaten sind drei Familien ausgewandert, die übrigen sind hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zur Heimat und ihren Zweifeln. »Ich habe jedes Mal Angst, wenn die Männer auf dem Markt einkaufen gehen«, sagt Masal Jehuda Jacob Halla, Mutter von neun Kindern und Frau von Rabbi Suleiman Jacob, einem der vier Gemeindeleiter.

Ihr Mann hat ein freundliches, rundes Gesicht. Über die muslimischen Nachbarn will der 41-Jährige nichts Schlechtes sagen. »Wir lachen zusammen, wir leben zusammen, wir spielen zusammen«, schmunzelt er. »Und wir katten zusammen.« Vier, fünf Stunden sitzen die Männer dann beieinander, kauen die grünen Blätter der jemenitischen Volksdroge Kat und palavern über die Probleme der Welt und der Nachbarschaft. »Wenn es eben geht, möchten wir gerne bleiben«, sagt er.

freiflüge Immer wieder waren in den vergangenen Jahren jüdische Emissäre aus Israel, Großbritannien und den USA zu Gast, um auch die Letzten zum Auswandern zu bewegen. 750.000 Dollar sind dafür gesammelt worden, was Yusuf Yaish, den anderen Rabbiner der Gemeinde, erbost. »Diese Hilfe schadet uns«, kritisiert er. Das Geld aus Amerika wäre besser ausgegeben, um die Gemeinde im Jemen zu unterstützen und zu erhalten. »Wir brauchen Schulen, wir brauchen Geld für die Hochzeiten.« Die Oneway-Freiflüge nach Amerika aber, schimpft er, »das muss aufhören«.

Die Organisatoren in den Vereinigten Staaten hören das nicht gerne. Sie sind überzeugt, dass die Juden im Jemen endlich den Realitäten ins Auge blicken müssen. »Es ist dort sehr gefährlich geworden«, erklärt Yair Yaish, Präsident des jemenitsch-jüdischen Verbandes in einem Interview mit der BBC. »Wir tun alles, um auch noch die letzten Juden aus dem Land herauszubekommen.«

Einer, der sich zur Auswanderung entschlossen hat, ist Shaukat Khani. Vor vier Monaten kamen er und seine Frau mit ihren neun Kindern in New York an. »Im Jemen gibt es einige ignorante Leute – Muslime, die uns diskriminiert haben«, klagte er gegenüber einem Reporter der BBC. Die Lage sei zunehmend unsicher geworden, der Alltag immer schwieriger. Das neue Leben in Amerika dagegen hat es ihm angetan: »Hier gibt es viele Juden, hier gibt es Schulen für unsere Kinder und hier gibt es Hospitäler für unsere Kranken.« Für den Jemen dagegen sieht er schwarz. Der Alltag werde immer schwieriger – »und unser Leben dort war einfach nicht mehr sicher«.



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