jemen

Rettung unerwünscht

Israelische und US-Organisationen wollen die letzten Juden ausfliegen. Doch diese weigern sich

14.01.2010 – von Martin GehlenMartin Gehlen


Am Himmel dröhnen MiG-Kampfflugzeuge. Panzer rollen über die Landstraßen. Jeden Abend zeigt das Fernsehen Bilder von Soldaten, die ihre Geschütze laden und auf Stellungen in den Bergen feuern. 150.000 Menschen sind mittlerweile vor dem Bürgerkrieg im Norden des Jemen auf der Flucht, zehntausende haben sich in die Provinz Amrah gerettet. Sie hausen in Zelten oder sind notdürftig bei Verwandten untergekommen. Bewaffnete auf Pick-ups patrouillieren durch die Straßen, nachts ist von Ferne das Geknatter von Maschinengewehren zu hören.

Seit Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh im letzten August den Feldzug »Verbrannte Erde« gegen die schiitischen Houthi-Rebellen ausgerufen hat, ziehen die Gefechte immer größere Landstriche in Mitleidenschaft. So auch Raydah, das neben der Provinzhauptstadt Amrah zu den größten Ortschaften der bergigen Region zählt. Hier leben noch rund 20 jüdische Familien, insgesamt etwa 250 Menschen. Die einen wohnen im Stadtkern, die anderen einige Kilometer östlich in der Siedlung Beth Harash – die beiden letzten angestammten Wohnorte von Juden im Jemen. Den Wein für den Schabbat keltern sie noch selbst. Hinter einer grünen Eisentür mit der hebräischen Aufschrift »Das Tor zum Segen« liegt die Synagoge, ein bescheidener Flachbau aus groben Steinen. In der Zwergschule nebenan mit zwei Klassenräumen lernen die Kinder Hebräisch – getrennt nach Jungen und Mädchen. Eine Gaslampe hängt von der Decke. Zwei in festes, braunes Leder eingebundene Toraausgaben liegen auf den Schulbänken.

evakuiert Die dritte noch verbliebene jüdische Gemeinde mit ihren sieben Familien wurde bereits vor drei Jahren aus der Provinz Saada ganz im Norden in die Hauptstadt Sanaa evakuiert. »Die Houthis ließen uns keine Wahl. Sie gaben uns zehn Tage Zeit, um zu verschwinden. Sonst würden sie uns kidnappen und ermorden«, erinnert sich Rabbi Yahya Yusuf Musa. Nach Israel oder in die USA auswandern wollen er und seine 66 Mitvertriebenen jedoch nicht. »Wir sind hier geboren, der Jemen ist unsere Heimat«, sagt der 31-Jährige, dessen Familie vom Staat eine kleine monatliche Sozialunterstützung bezieht. »In Sanaa können wir sicher und in Frieden leben.« Untergebracht sind alle in der sogenannten Tourist City, einem mit hohen Mauern gesicherten Apartmentkomplex für Ausländer direkt neben der amerikanischen Botschaft.



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