Reality-TV

Großer Bruder, großer Hit

Die neue Staffel von »Big Brother« bricht alle Quotenrekorde

14.01.2010 – von Sabine BrandesSabine Brandes


sex Anders in Deutschland: Hier läuft jetzt die zehnte Staffel an, die nur noch eine eingefleischte Fan-Gemeinde verfolgt. RTL 2 musste bereits bei der neunten Staffel um das Fortbestehen der Reality-Show bangen, die Quoten waren unter desaströse fünf Prozent gerutscht. Um die Bewohner nicht für immer vor die Tür zu setzen, ließ der Privatsender einen Pornostar in die WG einziehen, was schnell den gewünschten Erfolg brachte. In Israel liegt kaum eine Sendung unter der 30er-Marke, und das gänzlich ohne Sex. Zwar fliegen hier und da ein paar Funken zwischen den männlichen und weiblichen Kandidaten, doch über ein paar unschuldige Blicke geht es bislang nicht hinaus.

Dagegen wird es regelmäßig politisch. Auch die dritte Staffel, die derzeit über die Bildschirme flimmert, polarisiert wieder. Gerade erst haben zwei rechtsgerichtete Politiker gegen eine Teilnehmerin Strafanzeige erhoben. Edna Kanti, Mitglied der Menschenrechtsorganisation »Machsom Watch«, die an den Übergängen zwischen den palästinensischen Gebieten und Israel tätig ist, hatte ihren Bewohnern von den Vorfällen an den Übergängen erzählt und gesagt, dass ihrer Meinung nach die »Besatzung vorüber sei, wenn die Palästinenser aufbegehren und aufhören zu tun, was die israelischen Soldaten von ihnen verlangen«. Für Knessetmitglied Michael Ben Ari von der Nationalen Union und Schlomo Dov Wolpo von Eretz Israel Schelanu ein Aufruf zur Rebellion und damit Grund genug, strafrechtlich gegen Kanti vorzugehen. Der Sender ignorierte bislang das Anliegen der Politiker.

Diskussion Doch auch ohne solch extreme Aussagen ist die Show heiß diskutiertes Thema überall. Nicht nur zwischen Teenagern an den Oberschulen, sondern sogar auf den Fluren der Universitäten und der Knesset. Die nach Big Brother zweiterfolgreichste Sendung im Land, die Comedyshow »Eretz Nehederet«, hat Anspruch und Qualität, doch auch sie kommt nicht umhin, jede Woche erneut die Teilnehmer des Hauses auf die Schippe zu nehmen. In einer Reihe mit Parodierten wie Benjamin Netanjahu, Ehud Barak oder Zipi Livni.

Sogar in der dritten Klasse steht Big Brother bereits auf dem Stundenplan. Einmal wöchentlich wird im Fach »Dialog« an der Itzchak-Rabin-Grundschule von Pardes Channa Aktuelles besprochen. Thema diesmal: Dürfen Neunjährige die Show sehen? Die Lehrerin meint kategorisch »Nein«, er-klärt den Mädchen das Für und Wider einer solchen Sendung. Die Umfrage jedoch macht deutlich, dass die meisten El-tern das nicht so sehen. Von 35 befragten Kindern haben lediglich acht ein Big-Brother-Verbot.

Keine Frage, er bricht Rekorde, polarisiert und wird diskutiert. Dennoch ist auch der israelische große Bruder vor allem eins: Triviales von Leuten, die offenbar allesamt unter einer Profilneurose im fortgeschrittenen Stadium leiden, nicht viel zu sagen haben und denen dabei viel zu viele Leute zuhören.



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