Reality-TV
Großer Bruder, großer Hit
Die neue Staffel von »Big Brother« bricht alle Quotenrekorde
14.01.2010 – von Sabine Brandes
Deutschlands Fernsehmacher können von diesen Zahlen nur träumen. 30 Prozent Einschaltquote und mehr. Die israelische Version von Big Brother, »Ha’ach Ha’gadol«, ist in der dritten Runde und die Zuschauer kleben noch immer förmlich jede Woche an der Mattscheibe. Die Show um die in einem Haus mit Kameras und Mikrofonen eingesperrten jungen Menschen, von denen nach und nach einer von den Zuschauern rausgewählt wird, hatte ihren Beginn im Jahr 2000 und ist ein kulturelles Phänomen in der gesamten westlichen Welt. Doch in den meisten Ländern sind die Sendungen mittlerweile abgesetzt oder laufen auf irgendwelchen drittklassigen Privatsendern unter ferner liefen. Nicht so im jüdischen Staat. Zwar kam der große Bruder hier mit acht Jahren Verspätung an, wurde dafür aber gleich zum ganz großen Hit.
Ethno-Streit 2008 zogen die ersten Bewohner in ihre schicke Container-Villa samt Swimmingpool und Dauerüberwachung ein. In Szene gesetzt von der Produktionsfirma Kuperman. Anders als in Deutschland, wo es von Anfang an lediglich darum ging, wer am blondesten ist und die dicksten Muckis hat, waren die israelischen Kandidaten schnell in ethnische Grabenkämpfe verwickelt. Die Aschkenasim, abfällig als »Friedmans« bezeichnet, bezogen Stellung gegen die Sefardim, nach einem der Teilnehmer »Bublils« genannt. Dazu noch ein bisschen Spannung zwischen Juden und dem einzigen Araber, einem Religiösen und einem bekennenden Homosexuellen, und schnell hatte man den ganzen Wahnsinn der israelischen Stereotype auf wenigen Quadratmetern. Bei der Entscheidungsshow der ersten Staffel gaben mehr als zwei Millionen Menschen ihr Votum ab, in einem Land mit etwa acht Millionen Einwohnern. Damit stimmten mehr Leute für den Big-Brother-Kandidaten als für die Knessetwahl im selben Monat. Die Quote dieser Sendung erreichte nach Auskunft der Sprecherin des Senders Keschet 39,1 Prozent. »Das ist die höchste, die eine Fernsehshow in Israel jemals eingebracht hat«, sagt sie stolz. Erfolg für den Sender, traurig für die Gesellschaft: Im Dezember zeigte Kanal 10 eine einzigartige Dokumentation über die Familie des entführten Soldaten Gilad Schalit. Der Film erreichte eine Einschaltquote von 10,6 Prozent. Zur selben Zeit gab es ein paar Knöpfe auf der Fernbedienung weiter gehaltloses Blabla aus dem Container, was sich partout 26,1 Prozent nicht entgehen lassen wollten.
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