Geschichtspolitik
Angstmacher
Warum Erika Steinbach und der Bund der Vertriebenen auch bei polnischen Juden auf Ablehnung stoßen
14.01.2010 – von Piluk Piotr
Der Schatten des Zweiten Weltkriegs liegt weiterhin über den polnisch-deutsch-jüdischen Beziehungen. Warum es Polen und polnischen Juden so schwerfällt, die Tragödie des Krieges und der Schoa zu vergessen, liegt auf der Hand. Aber Krieg bringt leider Opfer auf beiden Seiten mit sich. Man mag die Frage stellen: Warum ihn dann erst beginnen? Interessierte Kreise in Deutschland heben zunehmend die Rolle des Übels hervor, das ihre Gesellschaft infolge des Krieges heimgesucht hat. Als Beispiele werden Dresdens Bombardierung 1945 und der Verlust der früheren »Ostgebiete« angeführt. Letzteres beklagt vor allem der Bund der Vertriebenen (BdV). Um dessen Präsidentin Erika Steinbach tobt seit Monaten eine heftige Debatte.
Es geht dabei um die mögliche Nominierung der CDU-Politikerin für den Rat der »Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung«. Das Gremium soll dabei mitwirken, »im Geist der Versöhnung auch in Berlin ein sichtbares Zeichen zu setzen, um an das Unrecht von Vertreibungen zu erinnern und Vertreibung für immer zu ächten«. Die Bundesregierung, allen voran Außenminister Guido Westerwelle, befürchtet nicht zu Unrecht, die Personalie könnte die Beziehungen zu Polen beschädigen. Vergangene Woche hat Steinbach vorgeschlagen (sie nennt das einen »Kompromiss«), auf einen Sitz im Stiftungsrat zu verzichten. Doch stellt sie Bedingungen, mit denen der Einfluss der Bundesregierung deutlich verringert und der des Bundes der Vertriebenen gestärkt werden soll.
Steinbachs Ideen schüren die polnischen Ängste vor den deutschen Nachbarn. Viele Polen – Juden und Nichtjuden – reagieren empört auf Versuche, die Leiden der Besatzer mit denen der Besetzten gleichzusetzen. Wer der BdV-Präsidentin aufmerksam zuhört, könnte meinen: Weil es bis heute an Verständigung mangelt, sind Polen und Deutschland auch im Jahr 2010 noch durch einen Graben getrennt.
Doch hier und da fangen zarte Pflänzchen an zu gedeihen: Die »Soziokulturelle Gesellschaft der Juden in Polen«, deren Mitglied ich bin, unterhält seit vielen Jahren Kontakte zu Einrichtungen in Deutschland. Und im vergangenen Sommer haben wir die Zusammenarbeit mit der deutschen Minderheit in Polen begonnen, mit dem »Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen«. Es geht uns um den Aufbau guter Verbindungen zwischen beiden nationalen Gruppen auf polnischem Boden. Doch manchmal, wenn Leute wie Erika Steinbach das Wort ergreifen, vergewissere ich mich in einem Gespräch mit Vertretern der deutschen Minderheit, dass unsere zarte Beziehung nicht in Gefahr ist.
Anzeige
Meistgelesen im Ressort
Fotostrecken
Unser Blog aus Israel
Tu Bischwat
Jüdischer Staat
Wetter
können wir Wunder vollbringen.«
1














