Jewrovision

Auf nach Dresden!

Das Team aus Köln möchte in diesem Jahr besser abschneiden als 2017

18.01.2018 – von Ulrike Gräfin von HoensbroechUlrike Gräfin von Hoensbroech

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Samstagabend, 19 Uhr, Roonstraße 50, am Rande der Kölner Innenstadt: Nach und nach treffen die Jugendlichen im Foyer vor dem Gemeindesaal der Synagoge ein. Schon bald hallen die munteren Begrüßungen und Erzählungen von den Wänden wider. Wie war es in der vergangenen Woche in der Schule? Wie spielt der 1. FC Köln morgen? Habt ihr die Tanzschritte geprobt? Wo ist der Wasserkasten? Hat jemand meine Turnschuhe gesehen? Kommt mein Kumpel noch? Die Kinder und Jugendlichen sind gut gelaunt.

Fröhlich und bunt könnte er denn auch aussehen, der Kölner Beitrag über den »Circle of Life«, denn darum geht es: Rund 25 Jugendliche der Synagogen-Gemeinde werden mit der Startnummer 17 beim Jewrovison Song Contest unter dem Thema »The Circle of Life« in diesem Jahr die älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen präsentieren.

lampenfieber »Wir wollen zumindest einen besseren Platz erreichen als beim letzten Mal, als wir 13. wurden«, sagt David Kesselmann selbstbewusst. Der elfjährige Schüler ist erstmals beim deutschland- und europaweit größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb dabei. »Lampenfieber habe ich noch nicht, aber vielleicht kommt das ja noch, wenn wir auf der Bühne stehen.«

Rund drei Wochen sind es noch, bis das Ereignis mit rund 2500 Teilnehmern und Besuchern in Dresden und damit erstmals in einem der neuen Bundesländer steigt. »Bis dahin bleibt noch einiges zu tun«, sagt Joel Schneider (16). Insbesondere die Wochenenden werden schon seit einiger Zeit für die mehrstündigen Proben genutzt. Was die Kölner dabei auf die Bretter bringen, bleibt im Unklaren – und das ist auch so gewünscht. Bekannt ist allen Teams das Thema – aber was sie daraus machen und wie sie es umsetzen, bleibt bis zur Aufführung das Betriebsgeheimnis der jeweiligen Gruppen aus insgesamt 18 Jugendzentren.

»Das ist geheim«, kommentiert Lihi (13) denn auch mit einem charmanten Lächeln, als die Besucherin einen Blick auf das Regiebuch für das Eröffnungsvideo werfen will. »So viel lässt sich aber sagen: Es wird eine große Party«, meint Noam und fügt hinzu: »Wir sind der Kölner Act, das muss rüberkommen.« Ob der 19 Jahre alte Student den Karneval meint? Schließlich findet die Jewrovison in diesem Jahr genau an dem Wochenende statt, an dem der rheinische Frohsinn seinen Höhepunkt er­reicht.

Altersgrenze »Wer weiß …«, meint Noam vielsagend. Der junge Mann ist das erste und zugleich auch das letzte Mal aktiv dabei. »Ich war immer ein großer Fan unserer Truppe, und kurz vor der Altersgrenze für die aktive Teilnahme will ich endlich auch selbst einmal dabei sein.« Das ist nach dem 19. Lebensjahr nicht mehr möglich.

Deshalb ist Judith Steinhauer denn nun auch als Madricha dabei. Siebenmal hat die 20-Jährige, die sich schon lange im Jugendzentrum engagiert, an der Jewrovison teilgenommen. »Nun gebe ich meine Erfahrungen weiter.« Insbesondere der Auftritt der Tänzer wird von ihr einstudiert und geprobt.

Zusammen mit Joel Schneider ist sie für die Gruppe verantwortlich. Sie entwerfen die Choreografie und studieren die Tanzeinlagen ein, schreiben das Regiebuch für den Eröffnungsfilm, entwerfen ein Bühnenbild, suchen Lieder der verschiedensten musikalischen Genres aus und schreiben auf die Musik die aus ihrer Sicht zum Thema passenden Texte. Und das ist noch längst nicht alles.

Lebenswege
Joel war schon dreimal aktiv dabei. »Vom Spieler zum Trainer, vom Sänger zum Coach«, beschreibt er seine jetzige Rolle und betont aber: »Eigentlich machen wir als Team alles zusammen. Der Weg ist das Ziel.« Das passt denn auch gut zum Thema »The Circle of Life«, das sich mit jungen jüdischen Lebenswegen und Identitäten befassen soll. »Das geht nur gemeinsam und in der Gemeinschaft.«

Wer die Proben ein wenig belauschen darf, spürt sofort, was für eine eingeschworene Gemeinschaft junger Menschen sich da zusammengeschlossen hat. Viele sind von Eltern oder Geschwistern zur Teilnahme motiviert oder von Freunden angesteckt worden mitzumachen. Die Freude, das Engagement und der Enthusiasmus, mit dem die Zehn- bis 19-Jährigen bei der Sache sind und sich motivieren, sprudeln geradezu über. »Unser Auftritt will jüdische Identität leben und erleben lassen«, sagt Noam. Sarah (15) fügt hinzu: »Ich möchte durch meine Teilnahme das Jugendzentrum unterstützen, weil ich in meiner Freizeit sehr gerne hier bin.«

Die elfjährige Mia sagt einfach: »Hier sind alle meine Freunde«, und Lev, der 13 ist, weiß: »Es macht einfach Spaß.« Ariana (15) schließlich freut sich schon auf den Aufenthalt in Dresden: »Dann werde ich viele Freunde aus anderen Städten wiedersehen und sicher noch neue Freunde finden.«

Gemeinsam Aber nicht nur die Vorbereitungen für den großen Auftritt verbinden die Jugendlichen. Denn auch die Gemeinde, die Schabbatfeier, das gemeinsame Beten und überhaupt die Religion gehören wesentlich zu ihrem jeweiligen Familienleben und zu den Freundschaften. Dabei sein ist schließlich alles für Ben, Mia, Ksenia, Sonya, Liann, Joel, Noam, Arianna, Marc, Lia, Lev, Sarah, Lihi, Lenny, Nathan, David, Maya, Naomi, Artur, Lilly, Micha, Diana und Judith.

Als nach der Aufwärmgymnastik die inhaltliche Probenarbeit beginnt, huscht die Besucherin aus dem Raum. Was geheim ist, sollte auch geheim bleiben – zumindest bis zum 10. Februar.

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