Philharmonie Berlin

Musikalischer Grundstein

Chabad Lubawitsch wirbt mit einem Benefizkonzert um Spenden für seinen geplanten Bildungscampus

11.01.2018 – von Christine SchmittChristine Schmitt

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Es war ein Abend der Temperamente. Der Schlussakkord des ersten Klavierkonzerts von Tschaikowsky war noch nicht verklungen, da hielt Andrei Gavrilov nichts mehr auf der Klavierbank. Der Pianist sprang auf, umarmte den Konzertmeister und dankte dem Dirigenten Michael Zukernik und dem Publikum.

Davor hatte er in der Berliner Philharmonie souverän das Konzert interpretiert und beim Spiel den Musikern des German National Orchestra gelegentlich pantomimisch Anregungen gegeben, an zarten Partien etwas leiser zu spielen. In einer Pause traten Rabbiner Yehuda Teichtal von Chabad Lubawitsch und Klaus Lederer (Die Linke), Senator für Kultur und Europa, gemeinsam ans Mikrofon.

Party Rabbiner Teichtal war außer sich vor Freude – über die fast ausverkaufte Philharmonie, die Musik, das Benefizkonzert und das geplante Projekt. »Es ist ein wunderbarer Abend. Wir freuen uns, heute hier zu sein bei der Party für den Campus.« Die Einnahmen des Benefizneujahrskonzertes werden zur Verwirklichung des Jüdischen Campus Berlin an der Münsterschen Straße gebraucht. Insgesamt sollen sich die Kosten auf 18 Millionen Euro belaufen. Zwei Drittel des Geldes seien bereits da. Die Baugenehmigung liege auch vor, demnächst soll das Projekt ausgeschrieben werden.

»Wir wollen ein gemeinsames positives Miteinander. Der Campus wird ein religionsübergreifender Ort der Begegnung sein, der interkulturelles Bewusstsein stärken wird.« Erste Pläne dazu wurden 2013 vorgestellt, seit drei Jahren wird aktiv geplant, und im Juni soll der Grundstein gelegt werden. 2007 wurde das Jüdische Bildungszentrum an der Münsterschen Straße eingeweiht, mittlerweile konnte das Nachbargrundstück erworben werden, auf dem der Campus nun errichtet werden soll. Rabbiner Teichtal hofft auf die Einweihung 2020.

Es sei ein wirklich schöner Abend, bestätigte Klaus Lederer lächelnd. Er freue sich über das neue »erstarkte jüdische Selbstbewusstsein« und erinnerte an das Lewandowski-Festival im Dezember, das Entzünden der Chanukkalichter am Brandenburger Tor und die Jüdischen Kulturtage – alles Zeichen dafür, dass »jüdisches Leben eine Selbstverständlichkeit in Berlin« sei.

Zentralrat Der Senat werde das mit aller Kraft unterstützen. Dazu zähle auch der Campus. »Das Land Berlin fördert das Vorhaben mit Mitteln aus der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und aus dem Kita-Ausbauprogramm.« Auch die Bundesregierung und der Zentralrat der Juden in Deutschland unterstützen das Projekt. Der Geschäftsführer des Zentralrats, Daniel Botmann, wurde als Gast des Konzerts besonders begrüßt.

»Eine lebendige Begegnungsstätte« soll der Campus werden, der neben dem Familien- und Bildungszentrum Münstersche Straße geplant wird, heißt es in Chabads Info-Broschüre. Neben einer Kita, einer Schule, einem Jugendklub, einem Sport- und Freizeitzentrum soll es einen Saal für Feste geben, ebenso wie ein Fort- und Weiterbildungszentrum für Lehrer.

Michael Zukernik, Dirigent und Gründer des German National Orchestra, hatte die populären Musikstücke ausgewählt. Der 47-Jährige wurde in Moskau geboren, studierte Schlagzeug und wanderte nach Israel aus, kam aber zum Studieren nach Deutschland. Er denkt gerne an seine Berliner Studienzeit und an die Schabbatfeiern bei Rabbiner Teichtal zurück. Der Jüdische Campus werde für alle »ein geöffnetes Zentrum Berliner jüdischen Lebens, wo sich lernen, unterhalten, Sport treiben, Kultur erleben« lasse. Zukernik und Teichtal hatten die Idee des Benefizkonzerts gemeinsam entwickelt.

Dvorák Abgerundet wurde das Programm mit Dvoráks 9. Sinfonie Aus der Neuen Welt sowie jüdischen Liedern, die von den Kantoren Aryeh L. Hurwitz und Yitzchak Meir Helfgot sowie dem Klarinettenduo Gurfinkel interpretiert wurden. Allerdings kamen die Kantoren gegen das 80 Musiker umfassende Orchester stimmlich in der ersten Konzerthälfte kaum an, nach der Pause funktionierte die Technik besser.

Das Benefizkonzert war möglich, weil die Berliner Philharmonie zu einem Sonderpreis gebucht werden konnte. Die Konzertkarten gingen auch in den öffentlichen Verkauf. »Mitten im Zentrum der Hauptstadt ein jüdisches Konzert zu geben – das ist ein Zeichen jüdischen Wachstums und ein großer Schritt nach vorne«, meinte Teichtal.

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