Finale

Der Rest der Welt

Wie ich ein heimlicher Internet-Star wurde – für ein paar Momente

09.11.2017 – von Shira SilbersteinShira Silberstein

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Ein ganz normaler Sonntagnachmittag in der Vorhölle. Ich stecke armtief im klebrigen Pizzateig. Um mich herum bewerfen sich ein paar muntere Drittklässler mit Oliven und Anchovis, da klingelt es an der Tür.

Wie ein Mann rennt der ganze Pizza-Trupp zur Eingangstür – Pizzateig-Fäden und Gemüseteilchen hinter sich herziehend. Vor der Tür stehen ein paar Fünftklässler samt meiner Tochter Emma, sie schleppen einen Kasten Cola und eine Familienpackung Mentos an mir vorbei in meine Wohnung, Richtung Badezimmer. Dort wollen sie ein spektakuläres YouTube-Experiment abziehen: den Cola-Vulkan! YouTube-Experimente sind gerade total angesagt bei den Kleinen.

Pizzateig Begeistert kreischend ziehen sämtliche Kids ins Bad. Ich folge dem Trampelpfad aus Pizzateig und zermatschtem Gemüse. Die Fünftklässler, in Badeanzug und Taucherbrille, haben sich in der Badewanne versammelt, alle anderen beobachten gespannt, wie eine Packung Mentos Stück für Stück in einer Colaflasche verschwindet. Hand auf die Flaschenöffnung, zehn Sekunden warten, Hand weg und: Nichts passiert! Bis auf ein zaghaftes Schäumen aus dem Flaschenhals.

Es folgt bodenlose Enttäuschung. Wieder einmal ein spektakulärer YouTube-Fail. Es ist jedes Mal dasselbe! Letzte Woche zum Beispiel, als die Kids Lava-Lampen selbst machen wollten: Auf YouTube sah das wunderschön aus! Und so einfach! Öl, Wasser und Speisefarbe in eine Flasche, Brausetabletten dazu – fertig! Man konnte wunderschön glibberige bunte Blasen beobachten, die langsam nach oben stiegen, um dort elegant zu zerplatzen. In Wirklichkeit ergab das Experiment nur einen ekligen, siffigen Brei. War ohnehin klar. Aber ich will mal nicht so sein und google deshalb »garantiert völlig idiotensicheres Experiment für Kinder.« Das Ergebnis ist ein Rezept für Fluffy Slime. Flaumige, luftige Knetmasse zum Selbermachen!

Wir leeren also eine Dose Rasierschaum und Bastelkleber in eine Schüssel, das ergibt eine eklige, schleimige Mischung. Eine Viertelflasche Kontaktlinsenlösung, dazu ein paar Tropfen Speisefarbe, und das Ganze verwandelt sich wie durch Magie in eine rosafarbige, samtige, elastische, wohlriechende Masse, die weder klebt noch krümelt. Ich bin ganz hingerissen von meiner eigenen Genialität!

WhatsApp Natürlich posen die Kids gleich mit ihrem neuen fluffigen Freund auf Instagram, WhatsApp und was noch alles, sodass mir in den nächsten Tagen Horden von hoffnungsvollen Schulkindern die Tür einrennen, und ich Rasierschaum, Kleber und Kontaktlinsenflüssigkeit en gros aus dem Internet ordern muss.

Schon bald ist meine Wohnung bis unter die Decke vollgestapelt mit Schleim-Rohstoffen, meine geschäftstüchtige Tochter verkauft das Zeug kistenweise an die gesamte Schule und macht einen Riesenreibach. Da passiert es: So schnell, wie sie begann, ist die Schleim-Manie auch wieder vorbei. Fluffy Slime ist etwas für Babys, und dafür ist Glow-in-the-Dark-Glibber jetzt total in! Das hat eine andere findige Mutter entdeckt: einfach Glow-in-the-Dark Knicklichter aufschneiden und mit Haargel mischen. Cool! Muss gleich mal googeln, wo man das Zeug online kaufen kann!

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