Buchmesse

Menasse, Reza, Polak

Bis Sonntag stellen Verlage in Frankfurt ihre Neuerscheinungen vor. Zu Gast sind auch viele jüdische Autoren

11.10.2017

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Lesungen, Diskussionen und jede Menge Neuerscheinungen: Zur Frankfurter Buchmesse werden bis Sonntag rund 280.000 Besucher in Frankfurt am Main erwartet. Ehrengast der weltgrößten Fachmesse ist diesmal Frankreich, das mit 180 Autoren vertreten ist. Insgesamt nehmen mehr als 600 Schriftsteller teil.

Darunter sind auch in diesem Jahr wieder zahlreiche jüdische und israelische Autoren wie Yasmina Reza, Thomas Meyer oder Robert Menasse. An israelischer Literatur Interessierte können sich im Israelischen Pavillon in Halle 6.0 über Neuerscheinungen aus dem jüdischen Staat informieren. Auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft ist mit einem eigenen Stand vertreten (Halle 3).

Krimi Den Auftakt der Lesungen macht am Mittwochnachmittag ab 15 Uhr Kerstin Ehmer, die ihren neuen Kriminalroman Der weiße Affe vorstellt, der im Berlin der 20er-Jahre spielt. Darin wird ein jüdischer Bankier im Hausflur seiner Geliebten erschlagen aufgefunden. Kommissar Ariel Spiro – gerade aus der Provinz in die Hauptstadt gezogen – übernimmt den Fall. Zunächst deuten die Ermittlungen auf ein politisches Motiv hin. Doch auch die wohlhabende und exzentrische Familie des Toten gibt Spiro Rätsel auf. Schon bald gerät der junge Kommissar in den Sog der Metropole, getrieben vom schnellen Rhythmus und mitgerissen vom rauschenden Berliner Nachtleben.

Nach Kerstin Ehmers Lesung feiert einige Stände weiter der Berliner AvivA-Verlag mit einem Empfang sein 20. Verlagsjubiläum. Seit 1997 erscheinen in dem Verlag Werke in Vergessenheit geratener, vorwiegend jüdischer Autorinnen der 20er-Jahre, Biografien und Porträtbände von Frauen aus der Kunst- und Kulturgeschichte sowie Neu- und Wiederentdeckungen vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Zur selben Zeit liest Robert Menasse aus seinem Roman Die Hauptstadt. Für sein Werk wurde der österreichische Schriftsteller am Montagabend in Frankfurt mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Menasse erzählt darin die Geschichte einer Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission in Brüssel. Die Bürokratin steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Im Laufe des Romans spannt Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen, der Ironie des Schicksals – und nicht zuletzt auch zwischen der kleinlichen Bürokratie und großen Gefühlen.

migration Politisch wird es auch am Tag darauf bei der Vorstellung des Buches Fragiler Konsens. Judenfeindschaft heute – Herausforderungen für die Migrationsgesellschaft. Mitherausgeber des Sammelbands ist die Berliner Bildungsstätte Anne Frank. In einem öffentlichen Gespräch gibt der Autor Meron Mendel unter anderem Auskunft über die Frage, wie muslimischer Antisemitismus bekämpft werden kann, ohne den Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft aus dem Blick zu verlieren und rassistischen Zuschreibungen zu verfallen.

Drei Bücher über Naziverbrechen, Verfolgung und antifaschistischen Widerstand werden ebenfalls am Donnerstag vorgestellt. Florence Hervé und Hermann Unterhinninghofen erinnern in Bildern und Texten an das Massaker von Oradour-sur-Glane vom 10. Juni 1944. Der Bild- und Textband zum ehemaligen KZ Natzweiler-Struthof (1941–1944) und zum Umgang mit der Erinnerung in der heutigen Gedenkstätte wird im Anschluss vorgestellt. Einen Kontrapunkt bilden die Erinnerungen des Frankfurter jüdischen Kommunisten Peter Gingold, der als Emigrant an der Seite der französischen Résistance kämpfte.

Ein literarisches Highlight wird die Lesung der französischen Bestsellerautorin Yasmina Reza am Freitag im Frankfurter Schauspiel. Ihr aktueller Roman Babylon führt in die Abgründe einer Paarbeziehung – und wie schon in ihrem Theaterstück Der Gott des Gemetzels lässt sie auch hier das Tragische immer wieder ins Groteske kippen und spürt großen und kleinen Beziehungslügen schonungslos ehrlich nach.

Am Sonntag präsentiert der Schauspieler Bert Bresgen zusammen mit seinem Verleger Rainer Höltschl das Buch Die Geigen des Amnon Weinstein von James A. Grymes. Der Geigenbauer Amnon Weinstein begann in seiner Werkstatt in Tel Aviv in den 90er-Jahren damit, Violinen zu restaurieren, die von jüdischen Musikern während der Schoa gespielt wurden.

Grymes erzählt das Schicksal von sieben Geigen, die Weinstein in den folgenden Jahren zu neuem Glanz und Leben erweckt. Hinter jedem dieser Instrumente steht eine faszinierende und inspirierende Geschichte jüdischer Musiker. Zusammen verbinden sich diese Geschichten zu einem zutiefst bewegenden, neuen Weg, den Holocaust zu verstehen.

Humor Im Rahmen der Buchmesse stellt der Stand-up-Comedian Oliver Polak seine neue Show Über alles vor. »Humor hilft einem, die Welt zu ertragen. Humor ist immer auch eine Auseinandersetzung mit der Tristesse, mit dem täglichen Dasein«, sagte Polak jüngst im Interview mit Spiegel Online. »Aber ich habe oft das Gefühl, Deutsche verstehen das nicht. Wenn man in Deutschland über Komik redet, dann ist das wie im Humor-Seminar.«

Ob dieser Eindruck zutreffend ist oder möglicherweise nicht viel eher durch Polaks sehr speziellem Humorbegriff entstanden ist, können Interessierte am Freitag in der Brotfabrik in Erfahrung bringen. ja

Das gesamte Programm der Buchmesse gibt es hier:
www.buchmesse.de

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