Medien

Von Ressentiments geprägt

Die DIG diskutierte mit Journalisten über das Bild Israels in der Berichterstattung in Deutschland

Aktualisiert am 28.09.2017, 14:30 – von Jérôme LombardJérôme Lombard

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Es ist ein verbreiteter Vorwurf: Die Medien in Deutschland berichten einseitig, wenn es um Israel und den Nahostkonflikt geht. Kritik an Israel sei politisch unkorrekt und werde tabuisiert. Die deutschen Medien seien tendenziös und pro-israelisch.

Doch stimmt das wirklich? Oder ist nicht vielmehr das Gegenteil der Fall, dass nämlich der jüdische Staat im Vergleich zu anderen Ländern besonders häufig und besonders vehement am medialen Pranger steht?

Fachexpertise Diese Frage stand im Zentrum einer Diskussionsrunde, zu der die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) am Mittwoch in das Haus des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) in Berlin-Charlottenburg eingeladen hatte. Das Podium an diesem Abend war mit journalistischer Fachexpertise prominent besetzt.

Neben den beiden Chefredakteuren von ARD und Deutschlandfunk, Rainald Becker und Birgit Wentzien, waren der Vorsitzende der BILD-Chefredaktionen, Julian Reichelt, und der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn eingeladen worden.

»Wenn es um Israel geht, ist die Berichterstattung in Deutschland von Falschmeldungen und Ressentiments geprägt. Und häufig einseitig gegen Israel gerichtet«, sagte Maya Zehden, Vizepräsidentin der DIG, in ihrer Begrüßungsrede. Ihr Verein kritisiere die tendenziöse anti-israelische Berichterstattung schon seit Langem. »Wenn eine bestimmte Wortwahl immer wieder in eine Richtung emotionalisiert wird, bleibt auch die Politik davon nicht unberührt«, sagte Zehden.

Publikum Angesichts der nach der Bundestagswahl zu erwartenden politischen Umbrüche und der immer wieder erhobenen Forderung, dass die Medien sich ihrer Funktion als vierter Gewalt bewusst sein müssten, sei jetzt genau der richtige Zeitpunkt für eine Debatte über den Umgang deutscher Medien mit Israel, so Zehden. Das Thema brannte offensichtlich vielen Menschen untern den Nägeln, die Veranstaltung war gut besucht.

Daniel Killy, DIG-Präsidiumsmitglied und politischer Autor, sagte in seinem Impulsreferat, es seien oftmals gar nicht bewusste Falschmeldungen, die einen Bericht tendenziös werden ließen, sondern die gebrauchte Wortwahl. »Nach einem Terrorangriff in Israel sprechen Journalisten gerne von einer Eskalation der Lage, die man nun befürchte. Niemand macht das, wenn es eine Attacke in Spanien oder Deutschland gibt. So wird Terror indirekt Verständnis gegenübergebracht und Israel als Aggressor dargestellt«, sagte Killy. Schon durch die permanente Wiederholung derartiger Begriffe würden die Medien zum negativen Image Israels beitragen.

Der Historiker Michael Wolffsohn unterstellte vielen Kommentatoren der Situation in Nahost, »Israel-Bashing« zu betreiben. »Die Medien müssen eine gewisse Erwartungshaltung erfüllen. Israel mal nicht als bösen Aggressor und stattdessen positiv darzustellen, ist in Deutschland und Westeuropa überaus schwer«, sagte Wolffsohn.

sachkenntnis Der anti-israelischen Berichterstattung liege oftmals eine große Ahnungslosigkeit der realen Gegebenheiten im Nahen Osten zugrunde. »Wir brauchen vor allem mehr Sachkenntnis und weniger Ideologie, um ein ausgewogeneres mediales Bild von Israel zu bekommen«, sagte der Historiker.

Der BILD-Journalist Reichelt kritisierte die fehlende Empathie vieler Journalisten. »Über kein Land, das unter ständigem Terror leidet, wird in Deutschland so zynisch, eiskalt und herzlos berichtet wie über Israel«, sagte er. In Berichten würden immer wieder Täter und Opfer vertauscht. Wenn palästinensische Attentäter von israelischen Soldaten erschossen werden, titelten deutsche Zeitungen regelmäßig Schlagzeilen wie »Palästinenser bei israelischer Militäraktion getötet«. »Diese sprachlichen Entgleisungen gegenüber Israel und den Israelis müssen aufhören«, sagte Reichelt.

ARD-Chefredakteur Reinald Becker warnte davor, den Journalisten per se Anti-Israelismus zu unterstellen. Oftmals fehlten schlicht die handwerklichen Fähigkeiten, die es für eine gute und differenzierte Berichterstattung brauche. »Die allgemeinen Defizite in Bildung und Ausbildung spiegeln sich auch im Journalismus wider. Hier muss dringend nachgesteuert werden«, forderte Becker.

Lesen Sie mehr in der nächsten Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Video

Chanukka Sameach!

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
3°C
schneeregenschauer
Frankfurt
3°C
schneeregenschauer
Tel Aviv
13°C
heiter
New York
3°C
wolkig
Zitat der Woche
»Einer unserer Anwälte ist Jude.«
Kayla Moore, Ehefrau des US-Politikers Roy Moore, verteidigt ihren Mann
gegen Vorwürfe, er sei antisemitisch, rassistisch und habe Frauen belästigt.