Dan-David-Preis

Liebe zum Fortschritt

Unter den diesjährigen Ausgezeichneten ist auch ein Forscher vom Max-Planck-Institut in Leipzig

08.06.2017 – von Mareike EnghusenMareike Enghusen

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Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, die Regisseure Joel und Ethan Coen, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und Robert Gallo, einer der Entdecker des Aids-Virus: So unterschiedlich sie sind, sie alle zählen zu jenen herausragenden Persönlichkeiten, die in den vergangenen Jahren den Dan-David-Preis entgegennehmen durften. Der Preis, jährlich vergeben seit 2002, soll innovative und interdisziplinäre Spitzenforschung fördern sowie »universelle Werte« wie »Kreativität, Gerechtigkeit, Demokratie und Fortschritt« ehren.

Die diesjährige Preisverleihung fand am 21. Mai an der Universität Tel Aviv statt. Nicht Studenten in Shorts und Tanktops, sondern geladene Gäste in Anzug und Abendkleid flanierten an jenem Abend über den Rasen des Campus; statt Coffee to go zu schlürfen, nippte man an Wein und Sekt, bevor das Smolarz-Auditorium seine Tore für die Preisverleihung öffnete.

Kategorien Der Dan-David-Preis wird in den Kategorien »Vergangenheit«, »Gegenwart« und »Zukunft« vergeben, dotiert mit jeweils einer Million Euro. Die Disziplinen, die den drei Kategorien zugeordnet sind, wechseln jedes Jahr: In diesem Jahr stand »Vergangenheit« unter dem Zeichen der Archäologie, im Namen der »Gegenwart« wurden zwei Schriftsteller ausgezeichnet, und als Forschungsfeld der »Zukunft« galt diesmal die Astronomie.

Unter den sieben Preisträgern war dieses Jahr auch ein Vertreter einer deutschen Institution: Der schwedische Mediziner und Biologe Svante Pääbo forscht am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig; als erstem Wissenschaftler weltweit gelang es ihm, DNA aus den Knochenresten eines Neandertalers zu extrahieren. Pääbo teilte sich den Preis mit dem US-Genetiker David Reich von der Harvard Medical School.

Bevor die diesjährigen Preisträger die Bühne betraten, ehrten Vertreter der Universität und der Dan-David-Stiftung den gleichnamigen Stifter, der 2011 verstorben war. »Ich bin sicher, Dan wäre sehr stolz, wenn er die diesjährigen Preisträger sehen könnte«, sagte der Präsident der Tel-Aviv-Universität, Joseph Klafter.

Philantrop
Dan David, ein rumänisch-israelischer Unternehmer und Philanthrop, wurde 1929 in Bukarest geboren. Als junger Mann schloss er sich der Zionistischen Jugend an, studierte Wirtschaftswissenschaft und arbeitete zunächst einige Jahre als freier Fotograf. Weil keine Bank ihm einen Kredit gewährte, lieh er sich 200.000 US-Dollar von einem entfernten Cousin und stieg damit 1961 bei »Photo-Me International« ein, einem Unternehmen, das Fotoautomaten unterhält. Dort stieg David stetig auf, bis er 1992 zum Vorsitzenden ernannt wurde. Im Jahr 2000 gründete er die Dan-David-Stiftung mit einem Kapital von 100 Millionen Dollar. »Geld ist ein Gradmesser für Erfolg, kein Selbstzweck«, schrieb er 2003 in einem Artikel, »deshalb rief ich den Dan-David-Preis ins Leben.«

Dan David starb 2011. Seine Witwe Gabriela und sein Sohn Ariel wohnten der Verleihung des diesjährigen Preises bei. »Liebe Preisträger, es hätte meinen Vater fasziniert, sich mit Ihnen zu unterhalten und Ideen auszutauschen«, sagte Ariel David in seiner Ansprache. »Ich erinnere mich an unsere gemeinsame Leidenschaft für Archäologie und Astronomie und daran, wie er sich im Alter von beinahe 80 Jahren an einem Seil in eine prähistorische Höhle im Norden Israels herabließ, die gerade erst entdeckt worden war.«

Mit dem Preis in der Kategorie »Zukunft« wurden in diesem Jahr die amerikanischen Astrophysiker Neil Gehrels und Shrinivas Kulkarni sowie der polnische Astronom und Astrophysiker Andrzej Udalski geehrt. Da Gehrels im Februar verstorben ist, nahm seine Witwe Ellen Williams an seiner Stelle den Preis entgegen.

Boykott Die Auszeichnungen in der Kategorie »Gegenwart« erhielten die Schriftstellerin Jamaica Kincaid (Girl, Lucy), die als junge Frau von Antigua und Barbuda in die USA auswanderte, sowie der israelische Autor Abraham B. Jehoschua (Der Liebhaber, Die Reise ins Jahr Tausend). Jamaica Kincaid, die zum Judentum konvertiert ist, erntete die meisten Lacher des Abends, als sie in ihrer Dankesrede subtil die lebhafte israelische Streitkultur aufs Korn nahm. »Leider spreche ich kein Hebräisch«, sagte sie. »Das einzige Wort, das ich kenne, ist Schalom (Frieden) – dem für gewöhnlich das Gegenteil folgt.«

Nicht immer verlief die Vergabe des Dan-David-Preises so harmonisch wie in diesem Jahr. Im vergangenen Jahr lehnte die britische Historikerin Catherine Hall vom University College London die Auszeichnung ab. Sie habe diese »unabhängige politische Entscheidung« getroffen, nachdem sie »viele Diskussionen« mit Menschen geführt habe, »die tief in die Israel-Palästina-Politik involviert sind«, ließ sie verkünden. Das »British Committee for Universities of Palestine«, das für einen Boykott israelischer Universitäten und Wissenschaftler streitet, lobte den Schritt damals als »wichtige Unterstützung der Kampagne zum Abbruch der Beziehungen mit israelischen Institutionen«.

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